Werkarten im Urheberrecht: Was genießt alles Schutz?

Kreative und wissenschaftliche Leistungen können grundsätzlich vielfältige Formen annehmen. Allerdings müssen diese nicht immer auch unter den Schutz des Urheberrechts fallen, denn dafür müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein. So gelten grundsätzlich nur Werke bzw. entsprechende Werkarten als schutzwürdig.

Abhängig von der jeweiligen Darstellungsform lassen sich verschiedene Werkarten unterscheiden.

Abhängig von der jeweiligen Darstellungsform lassen sich verschiedene Werkarten unterscheiden.

Werkarten im Urheberrecht – kurz und kompakt

Schutzfähige Werke sind laut dem Urheberrecht ausschließlich persönlich geistige Schöpfungen. Dabei differenziert der Gesetzgeber zwischen verschiedenen Werkarten, welche sich größtenteils aufgrund ihrer Darstellungsform unterscheiden.

Weiterführende Ratgeber zum Themenbereich urheberrechtliche Werke:

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Was ist ein Werk?

Urheberrecht: Damit ein Werk geschützt ist, muss es verschiedene Anforderungen erfüllen.

Urheberrecht: Damit ein Werk geschützt ist, muss es verschiedene Anforderungen erfüllen.

Das Urheberrechtsgesetz (UrhG) liefert in § 2 Abs. 2 eine Definition zum Begriff „Werk“. Demnach gelten ausschließlich persönlich geistige Schöpfungen im Sinne des Gesetzestextes als urheberrechtlich geschützte Werke.

Besonders viel trägt diese Definition nicht unbedingt zur Begriffserklärung und dem generellen Verständnis bei. Denn nun stellt sich die Frage, was sich hinter der Bezeichnung „persönlich geistige Schöpfung“ verbirgt.

Grundsätzlich lassen sich die Vorgaben für eine persönlich geistige Schöpfung und somit für die einzelnen Werkarten mithilfe der folgenden Kriterien konkretisieren:

  • Persönliche Tätigkeit:
    Als persönliche Tätigkeit ist prinzipiell alles zu verstehen, was von Menschen geschaffen wird. Bilder und Zeichnung von Affen oder Elefanten können somit laut dem Urheberrecht nicht zu dem Werkarten zählen. Gleiches gilt Erzeugnisse, die eine Maschine vollautomatisch erschafft.
  • Geistige Tätigkeit:
    Ein Werk muss gemäß Urheberrecht über einen geistigen Inhalt verfügen. Anhand dieses Kriteriums lässt sich zwischen urheberrechtlich geschützten Schöpfungen und rein handwerklichen Gegenständen differenzieren. Darüber hinaus gilt, dass nicht ein spezielles Motiv oder ein Inhalt unter den Urheberrechtsschutz fällt, sondern das dieser nur für die Art und Weise der Darbietung – also die konkrete Wiedergabe – gilt. Eine Idee für ein Gemälde oder einen Roman genießt daher keinen Schutz, sondern ausschließlich die daraus resultierenden Kunstwerke.
  • Schöpfung:
    Eine Schöpfung zeichnet sich durch Individualität und dem Erreichen einer bestimmten Schöpfungshöhe aus. Damit ein Urheberwerk als individuell gilt, muss es sich dafür von der alltäglichen Gestaltung abheben. Dies ist durch das Erreichen einer bestimmten Gestaltungs- bzw. Schöpfungshöhe der Fall. Für die Beurteilung der Schöpfungshöhe bei den verschiedenen Werkarten existieren keine konkreten Vorgaben, vielmehr ist – sollte es deshalb eine juristische Auseinandersetzung geben – die Prüfung jedes jeweiligen Einzelfalls notwendig.

Welche Werke sind urheberrechtlich geschützt?

Die Zuordnung zu einer bestimmten Werkart wird sich nicht auf die Dauer oder den Umfang des Schutzes aus.

Die Zuordnung zu einer bestimmten Werkart wird sich nicht auf die Dauer oder den Umfang des Schutzes aus.

Erfüllt eine schöpferische Leistung die zuvor aufgeführten Kriterien und Voraussetzungen, greift der Urheberrechtsschutz. Eine gesonderte Anmeldung, wie es zum Beispiel beim Patent, ist beim Urheberrecht nicht notwendig.

Zu den geschützten Werken zählen laut § 2 Abs. 1 UrhG insbesondere die Werke der Literatur, Wissenschaft und Kunst.

Darüber hinaus nimmt der Gesetzgeber eine Unterscheidung in verschiedene Werkarten vor:

  1. Sprachwerke, wie Schriftwerke, Reden und Computerprogramme

    Diese Werkart umfasst alle Schöpfungen, welche sich mit Hilfe von Sprache ausdrücken. Dabei ist es grundsätzlich unerheblich, um welche Sprache es sich dabei handelt. So kann ein Urheberrechtsschutz ggf. für Romane, Liedtexte, Tagebücher, Werbeslogans oder komplexere Anwaltsschriftsätze bestehen.

  2. Werke der Musik

    Musikwerke bedienen sich der Abfolge von Tönen. Diese können zum Beispiel durch Gesang, Instrumente oder Geräusche in der Natur erzeugt werden. Der Schutz durch das Urheberrecht setzt in diesem Zusammenhang keine Niederschrift oder die Einhaltung der Musiktheorie voraus.

  3. Pantomimische Werke einschließlich der Werke der Tanzkunst

    Choreografische und pantomimische Werke basieren auf räumlichen Bewegungen und Körpersprache. Nicht selten erfolgt die Darstellung dieser Werkarten auf einer Bühne, allerdings ist dies keine notwendige Voraussetzung.

  4. Werke der bildenden Künste einschließlich der Werke der Baukunst und der angewandten Kunst und Entwürfe solcher Werke

    Zur Werkart der bildenden Kunst zählen alle Gestaltungsformen, welche sich Farben, Linien, Flächen und Formen bedienen. Dabei können diese Werke sowohl zwei- als auch dreidimensional sein. Dies beinhaltet unter anderem auch Werke der Baukunst – Gebäude, Plätze und Brücken – oder der angewandten Kunst – Möbel und Mode.

  5. Erfüllen sie die Kriterien, können Videos und Fotos zu den Werkarten gezählt werden.

    Erfüllen sie die Kriterien, können Videos und Fotos zu den Werkarten gezählt werden.

  6. Lichtbildwerke einschließlich der Werke, die ähnlich wie Lichtbildwerke geschaffen werden

    In Bezug auf die bildnerische Darstellung differenziert der Gesetzgeber bei den Werkarten, sodass Fotografien – im UrhG als Lichtbildwerke bezeichnet – eine gewisse Sonderstellung einnehmen. Allerdings handelt es sich bei Lichtbildwerken nicht um einfache Schnappschüsse, sondern um Fotografieren, die sich aufgrund ihrer Individualität oder künstlerischen Gestaltung abheben.

  7. Filmwerke einschließlich der Werke, die ähnlich wie Filmwerke geschaffen werden

    Bewegte Bildfolgen, welche durch die Aneinanderreihung von Einzelbildern entstehen, sind in der Werkart der Filmwerke zusammengefasst. Diese Schöpfungen setzen sich in der Regel aus Elementen verschiedener Werkarten zusammen.

  8. Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art, wie Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen, Tabellen und plastische Darstellungen
    Damit die Darstellung von wissenschaftlichen Daten und Ergebnissen bei den Werkarten miteinbegriffen ist, darf es sich dabei nicht nur um eine reine Wiedergabe der Informationen handeln. In diesen Fall fehlt die Individualität.
Die vorangegangene Auflistung der verschiedenen Werkarten ist grundsätzlich nicht als abgeschlossen anzusehen. So ist es durchaus möglich, dass auch eine Schöpfung, die sich nicht zuordnen lässt, den Schutz des Urheberrechts genießt. Gleichzeitig besteht aber auch die Möglichkeit, dass ein Werk sich zu mehreren Werkarten kategorisieren lässt.

Zusammenfassung – FAQ zu den Werkarten im Urheberrecht

Frage 1: Genießt auch ein Werktitel einen Schutz?

Der Werktitel ist meist eng mit dem eigentlichen Werk verbunden. Allerdings stellt dieser in der Regel keine eigenständige Schöpfung dar, sodass ein Urheberrechtsschutz entfällt. Allerdings kann die Bezeichnung eines Werkes unter den sogenannten „Titelschutz“ fallen. Dabei handelt es sich um einen Aspekt des gewerblichen Rechtsschutzes, insbesondere des Markenrechts.

Frage 2: Ab wann unterliegt eine Werkart dem Urheberrechtsschutz?

Unabhängig von einer möglichen Zuordnung zu den verschiedenen Werkarten greift der Schutz des Urheberrechts bereits bei der Entstehung des jeweiligen Werkes. Eine Anmeldung oder Registrierung, wie es zum Beispiel beim amerikanischen Copyright lange Zeit üblich war, ist daher nicht notwendig.

Frage 3: Wer prüft, ob mein Text die Kriterien des Urheberrechts erfüllt?

Da das Urheberrecht keiner Eintragung bedarf, erfolgt auch im Vorneherein keine Prüfung. Allerdings ist eine entsprechende Einschätzung keine Seltenheit, wenn es um eine mögliche Urheberrechtsverletzung geht. Denn wenn ein vermeintliches Werk nicht über eine ausreichende Schöpfungshöhe verfügt, können Ansprüche auf Schadensersatz und Unterlassung hinfällig sein.

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