Urheberrecht für Gedichte: Wann stehen poetische Texte unter Schutz?

Von urheberrecht.de, letzte Aktualisierung am: 18. Februar 2021

Goethe, Schiller, Brecht und Ringelnatz
schafften aus Worten einen wahren Schatz.
Beliebt sind ihre Zitate so sehr wie nie,
denn noch heute fasziniert ihre Poesie.
Doch was schützt die großen Dichter der Geschichte,
besteht das deutsche Urheberrecht auch für Gedichte?

Gedanken in Reimen festhalten: Das Urheberrecht schützt diese Gedichte vor einer unerlaubten Verwertung.
Gedanken in Reimen festhalten: Das Urheberrecht schützt diese Gedichte vor einer unerlaubten Verwertung.

FAQ zum Urheberrecht für Gedichte

Wie kann ich meine Gedichte schützen?

Es ist grundsätzlich nicht notwendig, urheberrechtlich geschützte Werke anzumelden oder in ein Register eintragen zu lassen, denn der Schutz entsteht automatisch. Diese Schutzrechte verhindern zwar keine Urheberrechtsverletzung, räumen allerdings Möglichkeiten ein, um gegen diese vorzugehen.

Mein Text wird unerlaubt verwendet. Wie kann ich dagegen vorgehen?

Als Urheber können Sie bei einem Verstoß gegen Ihre Rechte zum Beispiel zivilrechtliche Schritte einleiten. Dazu gehört insbesondere der Versand einer Abmahnung samt strafbewehrter Unterlassungserklärung. Mithilfe dieser Schreiben können Sie zum Beispiel Schadensersatz einfordern.

Sind Zitate erlaubt?

Das Zitat gehört zu den Schranken des Urheberrechts und erlaubt die Verwertung von urheberrechtlich geschützten Inhalten ohne das Einverständnis des Urhebers. Allerdings dürfen diese Ausschnitte aus Werken nur verwendet werden, wenn das Zitat einen Zweck erfüllt. Dies kann zum Beispiel bei der Erläuterung in einer wissenschaftlichen Arbeit der Fall sein.

Fallen Gedichte unter das Urheberrecht?

Welche Kriterien sind zu erfüllen, damit das Urheberrecht Gedichte schützt?
Welche Kriterien sind zu erfüllen, damit das Urheberrecht Gedichte schützt?

Werden einzelne Wortgruppen mithilfe von Reimen zu einem Gedicht verwoben, erzeugt dies nicht selten einen ganz besonderen Effekt. Die Worte scheinen häufig fließend miteinander verbunden zu sein, sodass beim Lesen und Vortragen ein eigener Rhythmus entsteht. Erreichen die entstandenen Zeilen die notwendige Schöpfungshöhe, kann das Urheberrecht die jeweiligen Gedichte schützen.

Gemäß § 2 Abs. 1 Urheberrechtsgesetz (UrhG) handelt es sich dabei um sogenannte Sprachwerke. Zu dieser Werkart zählen unter anderem Bücher, Zeitungsartikel sowie der Code, der Computerprogrammen und Internetseiten zugrunde liegt. Denn die Basis all dieser Schöpfungen bildet die Sprache.

Die Entscheidung, ob ein Gedicht unter das Urheberrecht fällt, lässt sich pauschal nicht beantworten, denn hierbei gilt es, den Einzelfall zu prüfen. Auf welche Kriterien es dabei ankommt, zeigt die nachfolgende Auflistung. So muss das Werk

  • von Menschen erschaffen sein,
  • über einen geistigen Inhalt verfügen
  • und sich von der alltäglichen Gestaltung unterscheiden.

Ob eine Schöpfung tatsächlich diese Kriterien erfüllt, wird allerdings im Vorfeld nicht geprüft. So entsteht das Urheberrecht für Gedichte und alle anderen Werke automatisch mit deren Erschaffung. Erst im Falle einer juristischen Auseinandersetzung kann es zu einer Überprüfung des Werkes und des Urheberschutzes kommen.

Durch das Urheberrecht sind Gedichte vor einer unerlaubten Veröffentlichung, Verbreitung und Verwertung geschützt. Nutzen Dritte trotz bestehender Schutzrechte das Sprachwerk, kann der Schöpfer gegen diese Urheberrechtsverletzung vorgehen und zum Beispiel Ansprüche auf Schadensersatz mithilfe einer Abmahnung durchsetzen.

Urheberrecht für Gedichte: Ist das Zitieren erlaubt?

Welche Möglichkeiten gibt es, um Gedichte, die dem Urheberrecht unterliegen, zu verwenden?
Welche Möglichkeiten gibt es, um Gedichte, die dem Urheberrecht unterliegen, zu verwenden?

Zitate und berühmte Aussprüche zieren mittlerweile Postkarten, Kaffeebecher und T-Shirts, doch wie lässt sich dies mit dem Urheberrecht für Gedichte und andere Sprachwerke vereinbaren? Für eine Einschätzung müssen grundsätzlich verschiedene Umstände unterschieden werden.

So kann es zum Beispiel sein, dass der Urheber seit mehr als 70 Jahren verstorben ist. Dessen Werke gelten dann als gemeinfrei, weil die Dauer des Urheberrechts auf diese Zeitspanne beschränkt ist. Danach ist eine Verwertung auch ohne die Erlaubnis der Urheber möglich.

Unter Umständen können sich die Hersteller auch auf das Zitatrecht berufen. In § 51 Abs. 1 Satz 1 UrhG heißt es zu dieser Schranke des Urheberrechts:

Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist.

Laut Urheberrecht können Gedichte, Romane oder Zeitungsartikel teilweise als Zitat verwendet werden, wenn diese einen Zweck erfüllen. Diese Passagen können beispielsweise als Beleg dienen oder im Zuge einer Abhandlung analysiert werden.

Nicht zuletzt können die Hersteller auch die Nutzungsrechte für die Zitate erwerben. In diesem Fall erlauben die Rechtinhaber die Verwertung gegen die Zahlung einer Gebühr.

Urheberrecht für Gedichte – kurz und kompakt

Erreicht ein Gedicht die notwendige Schöpfungshöhe, kann dieses den Schutz des Urheberrechts genießen. In diesem Fall ist Dritten die unerlaubte Verwertung und Verbreitung untersagt. Wird gegen das bestehende Urheberrecht für Gedichte verstoßen, kann dies ggf. zu einer Abmahnung führen.

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Urheberrecht für Gedichte: Wann stehen poetische Texte unter Schutz?
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10 Gedanken zu „Urheberrecht für Gedichte: Wann stehen poetische Texte unter Schutz?

  1. Eva

    Guten Tag! An wen wendet man sich denn, um zu fragen, ob man z.B. ein Gedicht vortragen darf? Wie findet man, falls der Autor/die Autorin verstorben ist, den Rechtsnachfolger heraus? Besonders Gedichte sind oft in verschiedenen Sammlungen in verschiedenen Verlagen erschienen.

    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Eva,
      in diesem Fall können Sie sich zum Beispiel an die entsprechenden Verlage oder auch die zuständige Verwertungsgesellschaft werden.

      Ihr Team von urheberrecht.de

  2. Detlef

    wie mache ich denn kenntlich, dass ein Gedicht von mir, geschützt sein soll ?! -gibt es “irgendwo” einen “Eintrag” dazu, der getätigt sein muss ?
    Gruß

    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Detlef,
      grundsätzlich ist es nicht notwendig urheberrechtlich geschützte Werke besonders zu kennzeichnen. Erreichen diese die notwendige Schöpfungshöhe, sind also besonders kreativ und individuell, entsteht der Schutz automatisch und eine Nutzung ist nur mit Ihrem Einverständnis möglich.

      Ihr Team von urheberrecht.de

  3. Eren

    Schön guten Tag, ich hätte eine Frage bezogen auf die Nutzung eines Goethe-Gedichtes (es handelt sich um das Prometheus Gedicht). Ich möchte nämlich dieses Gedicht am Ende meines philosophischen Sachbuches anfügen. Dafür habe ich eine Ausgabe des Deutscher Klassiker Verlag verwendet und aus diesem zitiert. Nun hat mich mein Verlag darauf aufmerksam gemacht, dass ich dafür eine Abdruckgenehmigung, vom Suhrkamp Verlag, einholen muss.

    Das war mir nicht bewusst; ich habe diese Ausgabe ja nur verwendet weil ich korrekt-kritisch zitieren wollte und nicht aus dem Netz, die nächst schnellste Version zum zitieren verwenden wollte.
    Gibt es nun eine Möglichkeit für mich dieses Gedicht anzuführen ohne irgendeine Abdruckgenehmigung von irgendjemandem einzuholen? Ist es irgendwie möglich das Gedicht am Ende meines Buches zu zitieren ohne rechtlich belangt zu werden?

    Was mich nämlich so besonders stört ist nicht einmal der Fakt, dass ich ein gewisses Honorar zahlen müsste, welche übrigens eine beachtliche Summe umfassen kann, sondern dass die Bearbeitung meiner Anfrage wohl über ein Monat beanspruchen wird. Die Publikation meines Buch hat sich bereits mehrere Male verzögert, aufgrund von mannigfaltigen, des öfteren trivialen Fehlern und deswegen möchte ich diese zusätzliche Verzögerungen möglichst verhindern.

    Falls sie mir hier aushelfen könnten, wäre ich ihnen sehr verbunden.

    Hochachtungsvoll Eren

    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Eren,
      dieses Anliegen sollten Sie am besten direkt mit Ihrem Verlag klären.

      Ihr Team von urheberrecht.de

  4. Melanie

    Liebes Team von urheberrecht.de,
    ein Fernsehsender hat mir empfohlen, meine Beiträge (Gedichte, Lieder, Geschichten) urheberrechtlich schützen zu lassen, da dies bei Veröffentlichung ohnehin zwingend erforderlich wäre. Bisher hat allerdings kein Fachanwalt für Urheberrecht meine Anfrage positiv beantwortet. Wie hoch ist Eurer Erfahrung nach das Risiko einer Urheberrechtsverletzung? Kann ich meine Werke verschiedenen Verlagen und Sendern parallel vorlegen?
    Vielen Dank!

    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Melanie,
      Schöpfungen, die die Kriterien des Urheberrechts erfüllen, werden automatisch durch das Urheberrecht geschützt. Eine zusätzlich Anmeldung ist daher nicht notwendig. Über das Risiko einer Urheberrechtsverletzung liegen uns keine Daten vor.

      Ihr Team von urheberrecht.de

  5. Maja

    Guten Tag,
    im Internet, auf einer Seite mit Sammlungen von Gedichten [Angabe von der Redaktion entfernt], habe ich ein Gedicht gefunden, dass ich als Abschluss für mein Buch nutzen möchte. Der Name der Autorin ist unter dem Gedicht angegeben. Das Gedicht wird auch auf anderen Internetseiten (pinterest & Co.) zitiert. Allerdings kann ich die Autorin trotz vieler Bemühungen nicht finden, um mit ihr in Kontakt zu treten. Ich bin schon ganz verzweifelt, da es sehr gut als Abschluss passen würde. Benötige ich tatsächlich eine Abbildungsgenehmigung, obwohl das Gedicht auf allgemeinen Internetseite zugänglich ist?
    Grüße,
    Maja

    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Maja,
      für die Nutzung fremder Werke ist in der Regel das Einverständnis des Urhebers notwendig. Ob für die Veröffentlichung im Internet Nutzungsrechte erworben wurden oder ob es sich um eine Urheberrechtsverletzung handelt, können wir nicht einschätzen.

      Ihr Team von urheberrecht.de

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