Urheberrecht für Gedichte: Wann stehen poetische Texte unter Schutz?

Goethe, Schiller, Brecht und Ringelnatz
schafften aus Worten einen wahren Schatz.
Beliebt sind ihre Zitate so sehr wie nie,
denn noch heute fasziniert ihre Poesie.
Doch was schützt die großen Dichter der Geschichte,
besteht das deutsche Urheberrecht auch für Gedichte?

Gedanken in Reimen festhalten: Das Urheberrecht schützt diese Gedichte vor einer unerlaubten Verwertung.
Gedanken in Reimen festhalten: Das Urheberrecht schützt diese Gedichte vor einer unerlaubten Verwertung.

Urheberrecht für Gedichte – kurz und kompakt

Erreicht ein Gedicht die notwendige Schöpfungshöhe, kann dieses den Schutz des Urheberrechts genießen. In diesem Fall ist Dritten die unerlaubte Verwertung und Verbreitung untersagt. Wird gegen das bestehende Urheberrecht für Gedichte verstoßen, kann ggf. dies zu einer Abmahnung führen.

Fallen Gedichte unter das Urheberrecht?

Welche Kriterien sind zu erfüllen, damit das Urheberrecht Gedichte schützt?
Welche Kriterien sind zu erfüllen, damit das Urheberrecht Gedichte schützt?

Werden einzelne Wortgruppen mithilfe von Reimen zu einem Gedicht verwoben, erzeugt dies nicht selten einen ganz besonderen Effekt. Die Worte scheinen häufig fließend miteinander verbunden zu sein, sodass beim Lesen und Vortragen ein eigener Rhythmus entsteht. Erreichen die entstandenen Zeilen die notwendige Schöpfungshöhe, kann das Urheberrecht die jeweiligen Gedichte schützen.

Gemäß § 2 Abs. 1 Urheberrechtsgesetz (UrhG) handelt es sich dabei um sogenannte Sprachwerke. Zu dieser Werkart zählen unter anderem Bücher, Zeitungsartikel sowie der Code, der Computerprogrammen und Internetseiten zugrunde liegt. Denn die Basis all dieser Schöpfungen bildet die Sprache.

Die Entscheidung, ob ein Gedicht unter das Urheberrecht fällt, lässt sich pauschal nicht beantworten, denn hierbei gilt es den Einzelfall zu prüfen. Auf welche Kriterien es dabei ankommt, zeigt die nachfolgende Auflistung. So muss das Werk

  • von Menschen erschaffen sein,
  • über einen geistigen Inhalt verfügen
  • und sich von der alltäglichen Gestaltung unterscheiden.

Ob eine Schöpfung tatsächlich diese Kriterien erfüllt, wird allerdings im Vorfeld nicht geprüft. So entsteht das Urheberrecht für Gedichte und alle anderen Werke automatisch mit deren Erschaffung. Erst im Falle einer juristischen Auseinandersetzung kann es zu einer Überprüfung des Werkes und des Urheberschutzes kommen.

Durch das Urheberrecht sind Gedichte vor einer unerlaubten Veröffentlichung, Verbreitung und Verwertung geschützt. Nutzen Dritte trotz bestehender Schutzrechte das Sprachwerk, kann der Schöpfer gegen diese Urheberrechtsverletzung vorgehen und zum Beispiel Ansprüche auf Schadensersatz mithilfe einer Abmahnung durchsetzen.

Urheberrecht für Gedichte: Ist das Zitieren erlaubt?

Welche Möglichkeiten gibt es, um Gedichte, die dem Urheberrecht unterliegen, zu verwenden?
Welche Möglichkeiten gibt es, um Gedichte, die dem Urheberrecht unterliegen, zu verwenden?

Zitate und berühmte Aussprüche zieren mittlerweile Postkarten, Kaffeebecher und T-Shirts, doch wie lässt sich dies mit dem Urheberrecht für Gedichte und andere Sprachwerke vereinbaren? Für eine Einschätzung müssen grundsätzlich verschiedene Umstände unterschieden werden.

So kann es zum Beispiel sein, dass der Urheber seit mehr als 70 Jahren verstorben ist. Dessen Werke gelten dann als gemeinfrei, weil die Dauer des Urheberrechts auf diese Zeitspanne beschränkt ist. Danach ist eine Verwertung auch ohne die Erlaubnis der Urheber möglich.

Unter Umständen können sich die Hersteller auch auf das Zitatrecht berufen. In § 51 Abs. 1 Satz 1 UrhG heißt es zu dieser Schranke des Urheberrechts:

Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist.

Laut Urheberrecht können Gedichte, Romane oder Zeitungsartikel teilweise als Zitat verwendet werden, wenn diese einen Zweck erfüllen. Diese Passagen können beispielsweise als Beleg dienen oder im Zuge einer Abhandlung analysiert werden.

Nicht zuletzt können die Hersteller auch die Nutzungsrechte für die Zitate erwerben. In diesem Fall erlauben die Rechtinhaber die Verwertung gegen die Zahlung einer Gebühr.

Zusammenfassung – FAQ zum Urheberrecht für Gedichte

Wie kann ich meine Gedichte schützen?

Es ist grundsätzlich nicht notwendig, urheberrechtlich geschützte Werke anzumelden oder in ein Register eintragen zu lassen, denn der der Schutz entsteht automatisch. Diese Schutzrechte verhindern zwar keine Urheberrechtsverletzung, räumen allerdings Möglichkeiten ein, um gegen diese vorzugehen.

Mein Text wird unerlaubt verwendet. Wie kann ich dagegen vorgehen?

Als Urheber können Sie bei einem Verstoß gegen Ihre Rechte zum Beispiel zivilrechtliche Schritte einleiten. Dazu gehört insbesondere der Versand einer Abmahnung samt strafbewehrter Unterlassungserklärung. Mithilfe dieser Schreiben können Sie zum Beispiel Schadensersatz einfordern.

Sind Zitate erlaubt?

Das Zitat gehört zu den Schranken des Urheberrechts und erlaubt die Verwertung von urheberrechtlich geschützten Inhalten ohne das Einverständnis des Urhebers. Allerdings dürfen diese Ausschnitte aus Werken nur verwendet werden, das Zitat einen Zweck erfüllt. Dies kann zum Beispiel bei der Erläuterung in einer wissenschaftlichen Arbeit der Fall sein.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (41 Bewertungen, Durchschnitt: 4,30 von 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.