Verwertungsgesellschaft: Entgelt für die Zweitverwertung

Die Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke geht in der Regel mit der Zahlung eines finanziellen Ausgleichs einher. Häufig sind wir uns dieser Tatsache nicht einmal bewusst, aber für fast jeden Song, der im Radio läuft, oder jedes Buch, welches wir aus der Bibliothek ausleihen, erhält der Urheber bzw. Rechtsinhaber Geld. Sicherzustellen, dass das Geld auch tatsächlich die richtigen Personen erreicht, zählt unter anderem zur wichtigsten Aufgabe einer jeden Verwertungsgesellschaft.

Eine Verwertungsgesellschaft verwaltet für die Urheber die Zweitverwertung.

Eine Verwertungsgesellschaft verwaltet für die Urheber die Zweitverwertung.

Verwertungsgesellschaft – kurz und kompakt

Bei einer Verwertungsgesellschaft (VG) handelt es sich um eine Einrichtung, welche die Urheberrechte oder andere verwandte Schutzrechte im Auftrag der Urheber oder sonstiger Rechteinhaber treuhänderisch wahrnimmt. Dabei geht es vor allem um die Durchsetzung von finanziellen Ansprüchen infolge einer Verwertung, wie zum Beispiel der Wiedergabe von Songs im Fernsehen oder Radio.

Weiterführende Ratgeber zur Verwertungsgesellschaften:

GEMA GVL VFF VG Bild-Kunst VG WORT Urheberrechtsabgabe

Was ist eine Verwertungsgesellschaft?

Die bekannteste Verwertungsgesellschaft in Deutschland ist die GEMA.

Die bekannteste Verwertungsgesellschaft in Deutschland ist die GEMA.

Eine Verwertungsgesellschaft ist laut Definition eine Institution, welche die Rechte von Urhebern oder anderen Rechteinhabern kollektiv wahrnimmt.

Die Gesetzesgrundlage für deren Arbeit bildet das Verwertungsgesellschaftengesetz (VGG), welches seit dem 01. Juni 2016 das Urheberwahrnehmungsrecht ersetzt. Der Begriff der Verwertungsgesellschaften wird in § 2 VGG wie folgt definiert:

Eine Verwertungsgesellschaft ist eine Organisation, die gesetzlich oder auf Grundlage einer vertraglichen Vereinbarung berechtigt ist und deren ausschließlicher oder hauptsächlicher Zweck es ist, für Rechnung mehrerer Rechtsinhaber Urheberrechte oder verwandte Schutzrechte zu deren kollektiven Nutzen wahrzunehmen, gleichviel, ob in eigenem oder in fremdem Namen.

Zu den zentralen Aufgaben der Verwertungsgesellschaft zählen dabei unter anderem die Vergabe von Nutzungsrechten für verschiedenste Verwendungszwecke an jedermann, die Verwaltung der Abgaben für eine Zweitverwertung sowie die Ausschüttung der Erträge an die jeweiligen Urheber.

Als Zweitverwertung gilt dabei die Nutzung eines Werkes nach der eigentlichen Erstveröffentlichung. Bei Musik kann eine solche Zweitverwertung zum Beispiel durch die Wiedergabe im Fernsehen oder als Beitrag auf einer sogenannten Kompilation – wie Greatest-Hits-Alben – erfolgen.

Wichtig! Jede Verwertungsgesellschaft untersteht dem Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA). Die Einsetzung einer Aufsichtsbehörde ist notwendig, da diese Organisationen nicht selten eine gesetzliche Monopolstellung einnehmen.

Wie erzielt eine Verwertungsgesellschaft Einnahmen?

Möchten Sie fremde Werke nutzen, sind dafür oft Gebühren an die Verwertungsgesellschaft zu zahlen.

Möchten Sie fremde Werke nutzen, sind dafür oft Gebühren an die Verwertungsgesellschaft zu zahlen.

Die Erträge einer Verwertungsgesellschaft können aus den verschiedensten Quellen stammen. Einen wichtigen Faktor stellt die Urheberrechtsabgabe – offiziell auch als Pauschalabgabe bezeichnet – dar. Diese Abgabe wird auf Geräte oder Speichermedien erhoben, welche dazu dienen, Vervielfältigungen herzustellen oder zu speichern. Der Verbraucher entrichtet diese Abgabe automatisch beim Kauf des jeweiligen Produktes.

Weitere Einnahmen gehen auf öffentliche Aufführungen zurück. So fallen Gebühren an, wenn ein Song im Fernsehen bzw. Radio läuft oder auf einem Konzert aufgeführt wird. Die Verwertungsgesellschaft – bei Musikrechten handelt es sich dabei meist um die GEMA – erhält dafür einen festgelegten Gebührensatz.

Bei Texten bzw. Sprachwerken können ebenfalls besondere Gebühren anfallen. So verlangt die zuständige Verwertungsgesellschaft von Bibliotheken für die Ausleihe von Büchern eine Vergütung. Gleiches gilt für Schulbuchverlage, welche zu Lehrzwecken fremde Texte bzw. Inhalte nutzen.

Verwertungsgesellschaften in Deutschland

Welche ist die richtige Verwertungsgesellschaft? Ob VFF, GEMA oder VG Wort entscheidet meist das Werk.

Welche ist die richtige Verwertungsgesellschaft? Ob VFF, GEMA oder VG Wort entscheidet meist das Werk.

In Deutschland existieren insgesamt zwölf zugelassene Verwertungsgesellschaften. Dabei konzentriert sich jede einzelne auf konkrete Werkarten oder Künstlergruppen. Die nachfolgende Auflistung liefert einen Überblick zu allen deutschen Verwertungsgesellschaften:

    • GEMA
      Als wohl bekannteste Organisation ihrer Art gilt in Deutschland die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte – kurz GEMA. Die Verwertungsgesellschaft für Musik vertritt dabei insbesondere Komponisten, Songtexter und Musikverleger.
    • GVL
      Die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten nimmt die Rechte von ausübenden Künstlern, den Herstellern von Tonträgern, Veranstaltern sowie den Produzenten von Musikvideos wahr. Zu den Mitgliedern der GVL können darüber hinaus auch Schauspieler, Synchronsprecher oder Stuntmen zählen.
    • VG Wort
      Die Verwertungsgesellschaft Wort verwaltet die Vergütung aus den Zweitverwertungsrechten bei Sprachwerken. Als Rechteinhaber kommen dabei unter anderem Autoren und Übersetzer von literarischen, journalistischen sowie wissenschaftlichen Texten in Frage.
    • VG Bild-Kunst
      Als Mitglieder der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst kommen bildende Künstler wie Fotografen, Designer, Pressezeichner, Filmproduzenten, Kameraleute oder Choreografen infrage. Als Besonderheit dieser Verwertungsgesellschaft erhält ein bildender Künstler eine Beteiligung am Erlös aus dem Weiterverkauf seines Werkes im Kunsthandel. Juristen sprechen in diesem Zusammenhang vom Folgerecht.
    • VG Musikedition
      Die Verwertungsgesellschaft Musikedition befasst sich vor allem mit der Lizenzierung von Ausnahmeregelungen für das Kopierverbot von Noten. Bei den Mitgliedern handelt es sich daher vor allem um Verlage und Komponisten.
Für viele Künstler stellt die Ausschüttung der Verwertungsgesellschaft eine wichtige Einnahmequelle dar.

Für viele Künstler stellt die Ausschüttung der Verwertungsgesellschaft eine wichtige Einnahmequelle dar.

  • GÜFA
    Der Gesellschaft zur Übernahme und Wahrnehmung von Filmaufführungsrechten sind vor allem Filmproduzenten bzw. Rechteinhaber angeschlossen, welche sich mit der Produktion von erotischem und pornografischem Filmmaterials beschäftigen.
  • VFF
    Die Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten nimmt die Leistungsschutzrechte der Produzenten gemäß Urheberrechtsgesetz wahr. Als wahrnehmungsberechtigt gelten dabei die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sowie private Fernsehveranstalter.
  • VGF
    Die Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken vertritt Produzenten von Filmwerken sowie Regisseure von Spielfilmen. Die VGF ist als Verwertungsgesellschaft insbesondere für den Verleih von Videokassetten sowie die Wahrnehmung der Leerkassetten- und Geräteabgabe zuständig.
  • GWFF
    Zu den Mitgliedern der Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten zählen unter anderem Film- und Fernsehproduzenten sowie Schauspieler.
  • AGICOA
    Ziel der AGICOA ist es, Vergütungsansprüche der kabelgebundenen oder kabellosen Verbreitung von Filmwerken für in- und ausländische Filmhersteller wahrzunehmen.
  • VG Media
    Die Gesellschaft zur Verwertung der Urheber- und Leistungsschutzrechte von Medienunternehmen nimmt die Rechte von der Mehrheit der privaten deutschen TV- und Radiosender sowie einer Vielzahl digitaler verlegerischer Angebote wahr.
  • TWF
    Die Verwertungsgesellschaft Treuhandgesellschaft Werbefilm vertritt die Ansprüche der Produzenten von Werbesports.

Zusammenfassung – FAQ zur Verwertungsgesellschaft

Frage 1: Warum ist eine Verwertungsgesellschaft notwendig?

Künstlern und Produzenten ist es in der Regel nicht möglich, die Rechte der Zweitverwertung alleine wahrzunehmen. So besteht zwar ein gesetzlicher Anspruch auf eine angemessene Vergütung für die Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke, allerdings kann zum Beispiel eine Band nur schwer nachprüfen, auf welchem Radiosender oder in welcher Fernsehsendung ihre Lieder gespielt werden, und jedes Mal eine entsprechende Rechnung zu versenden.

Frage 2: Bin ich als Künstler dazu verpflichtet, einer Verwertungsgesellschaft beizutreten?

Die Mitgliedschaft in einer Verwertungsgesellschaft erfolgt grundsätzlich freiwillig. Ob sich eine solche lohnt, ist nicht selten eine Frage der Wirtschaftlichkeit, denn teilweise werden Mitgliedsbeiträge erhoben. Dabei kommt es vor allem darauf an, dass mit einer gewerblichen Verwertung zu rechnen ist.

Frage 3: Ich möchte fremde Werke nutzen. Was muss ich tun?

Möchten Sie fremde, urheberrechtliche geschützte Werke öffentlich verwerten, sollten Sie – um eine Abmahnung oder sonstige Sanktionen zu vermeiden – eine entsprechende Nutzung rechtzeitig bei der zuständigen Verwertungsgesellschaft anmelden und die anfallenden Gebühren zahlen.

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