Urheberrecht bei Übersetzungen: Wann besteht ein eigener Schutz?

Die Arbeit von Übersetzern öffnet die Türen in neue literarische Welten, welche uns ansonsten aufgrund der sprachlichen Barriere versperrt geblieben wären. Dabei handelt es sich meist um mehr als die reine Übertragung eines Textes in eine andere Sprache, sondern um einen kreativen Prozess. Doch welche Auswirkungen hat das Urheberrecht auf Übersetzungen?

Im Urheberrecht gelten Übersetzungen von literarischen Werken als eine Form der Bearbeitung.
Im Urheberrecht gelten Übersetzungen von literarischen Werken als eine Form der Bearbeitung.

FAQ zum Urheberrecht bei Übersetzungen

Sind Übersetzungen eigenständige Werke?

Diese Option besteht, wenn es sich bei der Übersetzung um eine persönlich geistige Schöpfung des Bearbeiters handelt.

Sind Übersetzungen von urheberrechtsfreien Werken erlaubt?

Genießen Werke nicht länger den Schutz des Urheberrechts – wie dies zum Beispiel bei den originalen Texten von Caesar oder Shakespeare der Fall ist – können diese grundsätzlich ohne die Einholung einer Erlaubnis übersetzt und veröffentlicht werden. Dies liegt daran, dass die Dauer des Urheberrechts zeitlich begrenzt ist.

Verliert der ursprüngliche Autor sein Urheberrecht bei Übersetzungen?

Übersetzungen haben grundsätzlich zwei Urheber. Zum einen den Verfasser des Originals (Gedicht, Roman etc.)und zum anderen die Person, welche diese in eine andere Sprache überführt. Übersetzer und Autor sind also gemeinsam Miturheber an einem Werk der Weltliteratur.

Wann fällt eine Übersetzung unter das Urheberrecht?

Laut Urheberrecht sind Übersetzer als Urheber eines eigenständigen Werkes anzusehen.
Laut Urheberrecht sind Übersetzer als Urheber eines eigenständigen Werkes anzusehen.

Werke der Literatur – insbesondere Sprachwerke wie Romane und Gedichte – genießen ab dem Zeitpunkt ihrer Schaffung und Fertigstellung automatisch den Schutz des Urheberrechts. Dieser soll zum einen vor der widerrechtlichen Verwertung als auch vor einer ungewollten Bearbeitung schützen.

Damit allerdings eine Vielzahl von Personen die literarische Werke konsumieren kann, ist die Übertragung in andere Sprachen unerlässlich. Im Urheberrecht gilt eine Übersetzung als eine Form der Bearbeitung, welche des Einverständnises des Urhebers bedarf.

Unter § 3 UrhG heißt es zur Übersetzung im Detail:

Übersetzungen und andere Bearbeitungen eines Werkes, die persönliche geistige Schöpfungen des Bearbeiters sind, werden unbeschadet des Urheberrechts am bearbeiteten Werk wie selbständige Werke geschützt.

Das Urheberrecht schützt somit Übersetzungen als eigenständige Schöpfungen, wenn sich diese durch ein gewisses Maß an Kreativität vom ursprünglichen Werk unterscheiden. Eine konkrete Angabe, wann diese Voraussetzung erfüllt ist, definiert das Gesetz allerdings nicht. Daher müssen im Einzelfall die Gerichte darüber entscheiden.

Laut Urheberrecht sind Übersetzer auch Urheber. Ihnen steht daher das in den Urheberpersönlichkeitsrechten unter § 13 UrhG definierte Recht auf Namensnennung zu. In der Regel findet sich ein entsprechender Vermerk im Impressum eines Buches.

Welche Sanktionen drohen bei einer unerlaubten Übersetzung?

Urheberrecht: Eine unerlaubte Übersetzung kann kostenpflichtig abgemahnt werden.
Urheberrecht: Eine unerlaubte Übersetzung kann kostenpflichtig abgemahnt werden.

Veröffentlichen Sie unerlaubt die Übersetzung eines urheberrechtlich geschützten Romans oder Gedichtes, kann dies juristische Konsequenzen nach sich ziehen. Denn gemäß § 23 UrhG sind Bearbeitungen – zu denen im Urheberrecht die Übersetzung zählt – nur mit der Einwilligung des Urhebers zulässig.

Ohne ein entsprechendes Einverständnis liegt eine Urheberrechtsverletzung vor. Die Rechteinhaber gehen gegen eine solche in der Regel mit einer Abmahnung samt Unterlassungserklärung vor. Im Zuge dieser zivilrechtlichen Maßnahme zur Prozessvermeidung wird unter anderem der Anspruch auf Schadensersatz geltend gemacht.

Darüber hinaus sind die Kosten für den gegnerischen Anwalt vom Rechtsverletzer zu tragen. Abhängig vom jeweiligen Einzelfall können dadurch bei einer Urheberrechtsverletzung im Durchschnitt finanzielle Forderung in drei- oder vierstelligen Höhe anfallen.

Scheitert die außergerichtliche Einigung mittels Abmahnung kann zudem eine Unterlassungsklage drohen. Dieses Verfahren geht mit weiteren Kosten einher.

Urheberrecht bei Übersetzungen – kurz und kompakt

Bei Übersetzungen handelt es sich gemäß Urheberrechtsgesetz (UrhG) um eine Form der Bearbeitung. Zeichnen sich diese durch ein bestimmtes Maß an kreativer Leistung aus, gelten Übersetzungen im Urheberrecht als eigenständige Werke. Der Übersetzer kann somit auch ein Urheber sein.

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4 thoughts on “Urheberrecht bei Übersetzungen: Wann besteht ein eigener Schutz?

  1. Martin

    Ich würde gerne Übersetzungen von Songtexten veröffentlichen. Ihren Ausführungen entnehme ich eindeutig, dass hierfür die Genehmigung (Einwilligung) des Urhebers nötig ist. Andererseits gibt es Webseiten wie z.B. [Link von der Redaktion entfernt], wo unzählige Übersetzungen im Internet veröffentlicht werden, mit Sicherheit ohne jeweilige Einwilligung der Urheber des Originals. Die Betreiber jener Webseite werden doch nicht das Risiko einer millionenschweren Klageflut eingehen. Ich habe dort einen Autor von tausenden Übersetzungen dazu befragt und er ist der Überzeugung, diese Übersetzungen seien keine Bearbeitungen im Sinne §UrhG 23.
    Wie löst sich dieser Widerspruch auf?
    – Hat es mit der Art der Veröffentlichung zu tun? D.h. non-kommerziell zur Verfügung gestellte Übersetzungen sind erlaubt, aber wenn diese zB in einem käuflich zu erwerbenden Buch erscheinen, dann erst greift der Paragraph?
    Wäre im Fall von Übersetzungen von Songtexten vielleicht sinnvoll, aber so steht es nicht im §23. Entweder ist es eine Bearbeitung oder nicht, und über die Art der Veröffentlichung steht im §23 nichts. Gibt es hier eine Ausnahme-Regelung, einen Präzedenzfall o.Ä.?
    – Hat es mit der Qualität der Übersetzung zu tun? D.h. beansprucht die Übersetzung eine künstlerische Eigenleistung?
    Unlogisch, denn wer soll das bemessen? Und die Autoren auf der genannten Plattform beanspruchen laut den Betreibern durchaus einen Schutz ihrer Übersetzung.
    – Mehr fällt mir als Laie nicht ein. Ich bin ratlos.
    Für Hinweise bin ich dankbar.

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    1. urheberrecht.de Post author

      Hallo Martin,
      in § 3 UrhG heißt es “Übersetzungen und andere Bearbeitungen eines Werkes, die persönliche geistige Schöpfungen des Bearbeiters sind, werden unbeschadet des Urheberrechts am bearbeiteten Werk wie selbständige Werke geschützt.” Laut Gesetz stellt eine Übersetzung also eine Bearbeitung dar. Eine Unterscheidung, ob die Bearbeitung und Veröffentlichung kommerziell erfolgt oder nicht, sieht der Gesetzgeber nicht vor. Wer also unerlaubt Übersetzungen anfertigt und veröffentlicht, muss daher laut Gesetz mit Sanktionen rechnen. Ob die Rechtsinhaber gegen diese Urheberrechtsverletzung vorgehen, lässt sich allerdings nicht einschätzen.

      Ihr Team von urheberrecht.de

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  2. Michael

    Hallo.
    Ist es erlaubt, einen Zeitungsartikel (etwa 500 Worte) in eine andere Sprache zu übertragen und auf seinem Blog zu veröffentlichen? Der Artikel handelt von mir, ist aber auf Deutsch, und ich möchte, dass mein einheimisches Publikum ihn lesen kann.

    Reply
    1. urheberrecht.de Post author

      Hallo Michael,
      für eine Bearbeitung ist in der Regel das Einverständnis des Urhebers notwendig. Wenden Sie sich daher ggf. mit Ihrem Anliegen an den Verlag.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Reply

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