Urheberrecht bei Übersetzungen: Wann besteht ein eigener Schutz?

Von urheberrecht.de, letzte Aktualisierung am: 19. November 2020

Die Arbeit von Übersetzern öffnet die Türen in neue literarische Welten, welche uns ansonsten aufgrund der sprachlichen Barriere versperrt geblieben wären. Dabei handelt es sich meist um mehr als die reine Übertragung eines Textes in eine andere Sprache, sondern um einen kreativen Prozess. Doch welche Auswirkungen hat das Urheberrecht auf Übersetzungen?

Im Urheberrecht gelten Übersetzungen von literarischen Werken als eine Form der Bearbeitung.
Im Urheberrecht gelten Übersetzungen von literarischen Werken als eine Form der Bearbeitung.

FAQ zum Urheberrecht bei Übersetzungen

Sind Übersetzungen eigenständige Werke?

Diese Option besteht, wenn es sich bei der Übersetzung um eine persönlich geistige Schöpfung des Bearbeiters handelt.

Sind Übersetzungen von urheberrechtsfreien Werken erlaubt?

Genießen Werke nicht länger den Schutz des Urheberrechts – wie dies zum Beispiel bei den originalen Texten von Caesar oder Shakespeare der Fall ist – können diese grundsätzlich ohne die Einholung einer Erlaubnis übersetzt und veröffentlicht werden. Dies liegt daran, dass die Dauer des Urheberrechts zeitlich begrenzt ist.

Verliert der ursprüngliche Autor sein Urheberrecht bei Übersetzungen?

Übersetzungen haben grundsätzlich zwei Urheber. Zum einen den Verfasser des Originals (Gedicht, Roman etc.)und zum anderen die Person, welche diese in eine andere Sprache überführt. Übersetzer und Autor sind also gemeinsam Miturheber an einem Werk der Weltliteratur.

Wann fällt eine Übersetzung unter das Urheberrecht?

Laut Urheberrecht sind Übersetzer als Urheber eines eigenständigen Werkes anzusehen.
Laut Urheberrecht sind Übersetzer als Urheber eines eigenständigen Werkes anzusehen.

Werke der Literatur – insbesondere Sprachwerke wie Romane und Gedichte – genießen ab dem Zeitpunkt ihrer Schaffung und Fertigstellung automatisch den Schutz des Urheberrechts. Dieser soll zum einen vor der widerrechtlichen Verwertung als auch vor einer ungewollten Bearbeitung schützen.

Damit allerdings eine Vielzahl von Personen die literarische Werke konsumieren kann, ist die Übertragung in andere Sprachen unerlässlich. Im Urheberrecht gilt eine Übersetzung als eine Form der Bearbeitung, welche des Einverständnises des Urhebers bedarf.

Unter § 3 UrhG heißt es zur Übersetzung im Detail:

Übersetzungen und andere Bearbeitungen eines Werkes, die persönliche geistige Schöpfungen des Bearbeiters sind, werden unbeschadet des Urheberrechts am bearbeiteten Werk wie selbständige Werke geschützt.

Das Urheberrecht schützt somit Übersetzungen als eigenständige Schöpfungen, wenn sich diese durch ein gewisses Maß an Kreativität vom ursprünglichen Werk unterscheiden. Eine konkrete Angabe, wann diese Voraussetzung erfüllt ist, definiert das Gesetz allerdings nicht. Daher müssen im Einzelfall die Gerichte darüber entscheiden.

Laut Urheberrecht sind Übersetzer auch Urheber. Ihnen steht daher das in den Urheberpersönlichkeitsrechten unter § 13 UrhG definierte Recht auf Namensnennung zu. In der Regel findet sich ein entsprechender Vermerk im Impressum eines Buches.

Welche Sanktionen drohen bei einer unerlaubten Übersetzung?

Urheberrecht: Eine unerlaubte Übersetzung kann kostenpflichtig abgemahnt werden.
Urheberrecht: Eine unerlaubte Übersetzung kann kostenpflichtig abgemahnt werden.

Veröffentlichen Sie unerlaubt die Übersetzung eines urheberrechtlich geschützten Romans oder Gedichtes, kann dies juristische Konsequenzen nach sich ziehen. Denn gemäß § 23 UrhG sind Bearbeitungen – zu denen im Urheberrecht die Übersetzung zählt – nur mit der Einwilligung des Urhebers zulässig.

Ohne ein entsprechendes Einverständnis liegt eine Urheberrechtsverletzung vor. Die Rechteinhaber gehen gegen eine solche in der Regel mit einer Abmahnung samt Unterlassungserklärung vor. Im Zuge dieser zivilrechtlichen Maßnahme zur Prozessvermeidung wird unter anderem der Anspruch auf Schadensersatz geltend gemacht.

Darüber hinaus sind die Kosten für den gegnerischen Anwalt vom Rechtsverletzer zu tragen. Abhängig vom jeweiligen Einzelfall können dadurch bei einer Urheberrechtsverletzung im Durchschnitt finanzielle Forderung in drei- oder vierstelligen Höhe anfallen.

Scheitert die außergerichtliche Einigung mittels Abmahnung kann zudem eine Unterlassungsklage drohen. Dieses Verfahren geht mit weiteren Kosten einher.

Urheberrecht bei Übersetzungen – kurz und kompakt

Bei Übersetzungen handelt es sich gemäß Urheberrechtsgesetz (UrhG) um eine Form der Bearbeitung. Zeichnen sich diese durch ein bestimmtes Maß an kreativer Leistung aus, gelten Übersetzungen im Urheberrecht als eigenständige Werke. Der Übersetzer kann somit auch ein Urheber sein.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (50 Bewertungen, Durchschnitt: 4,80 von 5)
Urheberrecht bei Übersetzungen: Wann besteht ein eigener Schutz?
Loading...

27 Gedanken zu „Urheberrecht bei Übersetzungen: Wann besteht ein eigener Schutz?

  1. Martin

    Ich würde gerne Übersetzungen von Songtexten veröffentlichen. Ihren Ausführungen entnehme ich eindeutig, dass hierfür die Genehmigung (Einwilligung) des Urhebers nötig ist. Andererseits gibt es Webseiten wie z.B. [Link von der Redaktion entfernt], wo unzählige Übersetzungen im Internet veröffentlicht werden, mit Sicherheit ohne jeweilige Einwilligung der Urheber des Originals. Die Betreiber jener Webseite werden doch nicht das Risiko einer millionenschweren Klageflut eingehen. Ich habe dort einen Autor von tausenden Übersetzungen dazu befragt und er ist der Überzeugung, diese Übersetzungen seien keine Bearbeitungen im Sinne §UrhG 23.
    Wie löst sich dieser Widerspruch auf?
    – Hat es mit der Art der Veröffentlichung zu tun? D.h. non-kommerziell zur Verfügung gestellte Übersetzungen sind erlaubt, aber wenn diese zB in einem käuflich zu erwerbenden Buch erscheinen, dann erst greift der Paragraph?
    Wäre im Fall von Übersetzungen von Songtexten vielleicht sinnvoll, aber so steht es nicht im §23. Entweder ist es eine Bearbeitung oder nicht, und über die Art der Veröffentlichung steht im §23 nichts. Gibt es hier eine Ausnahme-Regelung, einen Präzedenzfall o.Ä.?
    – Hat es mit der Qualität der Übersetzung zu tun? D.h. beansprucht die Übersetzung eine künstlerische Eigenleistung?
    Unlogisch, denn wer soll das bemessen? Und die Autoren auf der genannten Plattform beanspruchen laut den Betreibern durchaus einen Schutz ihrer Übersetzung.
    – Mehr fällt mir als Laie nicht ein. Ich bin ratlos.
    Für Hinweise bin ich dankbar.

    Antworten
    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Martin,
      in § 3 UrhG heißt es “Übersetzungen und andere Bearbeitungen eines Werkes, die persönliche geistige Schöpfungen des Bearbeiters sind, werden unbeschadet des Urheberrechts am bearbeiteten Werk wie selbständige Werke geschützt.” Laut Gesetz stellt eine Übersetzung also eine Bearbeitung dar. Eine Unterscheidung, ob die Bearbeitung und Veröffentlichung kommerziell erfolgt oder nicht, sieht der Gesetzgeber nicht vor. Wer also unerlaubt Übersetzungen anfertigt und veröffentlicht, muss daher laut Gesetz mit Sanktionen rechnen. Ob die Rechtsinhaber gegen diese Urheberrechtsverletzung vorgehen, lässt sich allerdings nicht einschätzen.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Antworten
  2. Michael

    Hallo.
    Ist es erlaubt, einen Zeitungsartikel (etwa 500 Worte) in eine andere Sprache zu übertragen und auf seinem Blog zu veröffentlichen? Der Artikel handelt von mir, ist aber auf Deutsch, und ich möchte, dass mein einheimisches Publikum ihn lesen kann.

    Antworten
    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Michael,
      für eine Bearbeitung ist in der Regel das Einverständnis des Urhebers notwendig. Wenden Sie sich daher ggf. mit Ihrem Anliegen an den Verlag.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Antworten
  3. Karl

    Hallo Team von Urheberrecht,
    Danke für diesen guten Beitrag. Eine Frage stellt sich mir noch: Ist die Aufnahme der Übersetzung eines urheberrechtlich abgelaufenen Werkes als Hörbuch zulässig oder werden hier Rechte des Übersetzers verletzt?
    Grüße Karlos

    Antworten
    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Karl,
      in der Regel ist davon auszugehen, dass ein Hörbuch ebenfalls eine Vervielfältigung darstellt.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Antworten
  4. Giselle

    Guten Tag,
    Unter § 3 UrhG (Urheberrechtsgesetz) heißt es:
    »Übersetzungen und andere Bearbeitungen eines Werkes, die persönliche geistige Schöpfungen des Bearbeiters sind, werden unbeschadet des Urheberrechts am bearbeiteten Werk wie selbständige Werke geschützt.«
    Ich gehe davon aus, dass darunter auch Sach- und Fachbücher fallen – ist das korrekt?
    Danke im Voraus + viele Grüße
    Giselle

    Antworten
    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Giselle,
      eine pauschale Einschätzung ist uns nicht möglich.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Antworten
  5. Michael

    Hallo!

    Ich möchte ein Buch aus dem Englischen, das in deutscher Sprache nicht verfügbar ist, sinngemäß wiedergeben. Ich plane eine Neuformulierung der Inhalte.

    Brauche ich hierzu die Einwilligung des Urhebers des Originalwerks?

    Danke und viele Grüße.
    Michael

    Antworten
    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Michael,
      auch in diesem Fall kann es sich um eine Bearbeitung handeln, welche die Einwilligung des Urhebers bedarf. Eine individuelle Einschätzung ist uns allerdings nicht möglich.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Antworten
  6. Alex

    Hallo,
    ich würde gerne einen Roman aus dem Serbischen ins Deutsche übersetzen. Mit dem Autor stehe ich bereits in Verbindung. Nun bin ich auf der Suche nach einem Verlag. Telefonisch wurde mir gesagt, dass die meisten Verlage selbst die Übersetzer suchen. Kann ich etwas tun, um mir die Übersetzertätigkeit zu sichern, außer der Zusage des Autors oder gehört das zum” Berufsrisiko”. Sprich Buch wird ins Programm übernommen aber mit hauseigenem Übersetzer.
    Vielen Dank!

    Antworten
    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Alex,
      welche rechtlichen Möglichkeiten Sie zum Beispiel durch die Erteilung von Nutzungsrechten haben, sollten Sie ggf. mit einem Anwalt besprechen. Wir dürfen keine kostenlose Rechtsberatung geben.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Antworten
  7. Dorothea

    Ich verstehe eins nicht: Werden Songtexte, die in einem Buch oder im Internet stehen, schöpferisch übersetzt sind also geschützt als eigenes Werk. Sie selbst sind aber ohne Genehmigung des ursprünglichen Text-Herausgebers ungesetzlich?

    Antworten
  8. Hans

    Hallo,
    ich habe ein wissenschaftliches englischsprachiges Büchlein bei einem ungarischen Fachverlag publiziert und bin nicht im Besitz einer elektronischen Druckversion, sondern nur einer 15 Monate alte Vorversion.
    Das “© The Author and … Foundation” beinhaltet leider auch für sieben Jahre das Recht der Übersetzung, außer für die Abbildungen.
    Nun habe ich, der Autor, auf der Grundlage des alten Manuskripts eine deutsche Übersetzung gefertigt und erheblich überarbeitet und erweitert. Doch immer noch sind etwa 70 Prozent eine reine Übersetzung des gedruckten Textes.
    Der Verlag stellt sich stur. Hat ertmal überhaupt nicht geantwortet, dann nur beleidigt, noch nicht einmal ein Angebot für ein Entgelt gemacht.
    Wie stehen meine Chancen auf eine deutschsprachige Publikation?

    Antworten
    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Hans,
      wir dürfen keine kostenlose Rechtsberatung geben. Wenden Sie sich daher für eine Einschätzung an einen Anwalt für Urheberrecht.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Antworten
      1. Hans

        Es geht ja nicht unbedingt um meinen konkreten Fall, sondern Entscheidungskriterien und mögliche Grenzen im Fall von wesentlichen Erweiterungen auf der Basis einer Übersetzung.
        Danke,
        Hans

        Antworten
        1. urheberrecht.de Beitragsautor

          Hallo Hans,
          hierbei kommt es vor allem darauf an, ob es sich bei der erweiterten Übersetzung um ein eigenständiges Werk handelt und ob Sie aufgrund der Vereinbarungen mit dem Verlag überhaupt dazu berechtigt sind, eine Bearbeitung vorzunehmen und diese zu veröffentlichen.

          Darüber hinaus findet im Urheberrecht üblicherweise eine Bewertung des jeweiligen Einzelfalls statt, pauschale Vorgaben und prozentuale Angaben gibt es daher in der Regel nicht.

          Ihr Team von urheberrecht.de

          Antworten
  9. Christoph

    Wie sieht’s denn mit dem Urheberrecht bei Übersetzungen gemeinfreier Texte aus? Darf ich zum Beispiel einen Shakespeare Text auf Deutsch vorlesen und ins Netz stellen, oder hat der Übersetzer das Urheberrecht?

    Antworten
    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Christoph,
      wir dürfen keine kostenlose Rechtsberatung geben. Wenden Sie sich daher für eine Einschätzung an einen Anwalt für Urheberrecht.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Antworten
  10. Scarlet

    Guten Tag!
    Vielen Dank für den guten Artikel. Meine Frage: Ein Verlag erwirbt die Lizenz für ein ausländisches Buch, um es in seiner Sprache zu veröffentlichen. Dafür beauftragt er entsprechend einen Übersetzer. Bei wem liegen dann die Rechte für die Übersetzung – dem Verlag oder dem Übersetzer?
    Vielen Dank im Voraus!

    Antworten
    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Scarlet,
      erreicht die Übersetzung die notwendige Schöpfungshöhe, kann der Übersetzer als Urheber gelten. Die Nutzungsrechte an der Übersetzung wird sich der Verlag voraussichtlich bereits im Vorfeld vertraglich sichern.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Antworten
  11. Nico

    Guten Tag, wie steht es um den Urheberrechtsschutz bei allgemeinen Nachschlagewerken, z. B. gedruckten Enzyklopädien vor 1950? Es gibt hier ja keine namentlich bekannten Autoren, die für Stichwortartikel als verantwortlich gezeichnet haben. Dürfen Teile solcher Werke in Bücher oder auf Websites übernommen werden? Vielen Dank!

    Antworten
    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Nico,
      mit diesem Anliegen sollten Sie sich an die verantwortlichen Verlage oder die zuständigen Verwertungsgesellschaften wenden.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Antworten
  12. Maximilian

    Hallo & Guten Tag,

    ich habe mit Erlaubnis des Urhebers ein literarisches Buch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.
    Kann ich anhand dieser Übersetzung ein Hörbuch in deutscher Sprche anfertigen & verkaufen ( Nutzungsrechte) oder brauche ich dazu wiederum die Erlaubnis des Rechteinhabers? Ist der Gewinn zu teilen oder stehen mir die Nutzungsrechte/ Gewinne des Hörbuches in voller Höhe zu (übernehme auch die Kosten der Produktion) ?

    Danke!

    Antworten
    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Halle Maximilian,
      mit diesem Anliegen sollten Sie sich an einen Anwalt wenden. Wir können keine kostenlose Rechtsberatung geben.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Antworten
  13. Niko

    Guten Tag,
    wie sieht es mit Übersetzungen von z.B. von Latein zu Deutsch aus?
    Haben die Websites, die Übersetzungen zu lateinischen Wörtern anbieten, ein Urheberrecht darauf?
    Kann man überhaupt ein Urheberrecht auf Übersetzungen von einzelnen Wörtern haben?

    LG

    Antworten
    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Niko,
      damit eine Übersetzung ein eigenständiges Werk ist, muss es sich dabei um eine persönliche geistige Schöpfungen des Bearbeiters handeln.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.