Urheberrecht im Theater: Schutzrecht auf der großen Bühne

Im Theater lassen sich Geschichten auf vielfältige Weise zum Leben erwecken – ob stimmgewaltig als Oper, anmutig als Ballett, modern als Musical oder klassisch als Theaterstück. Dabei ermöglicht jede Form der Darstellung eine eigene Interpretation der zugrundeliegenden Thematik. Doch welche Vorgaben gilt es gemäß Urheberrecht im Theater zu beachten?

Urheberrecht im Theater: Welche gesetzlichen Vorgaben gilt es zu beachten?
Urheberrecht im Theater: Welche gesetzlichen Vorgaben gilt es zu beachten?

Urheberrecht im Theater – kurz und kompakt

Bevor ein Theaterstück aufgeführt werden kann, gilt es verschiedenste rechtliche Aspekte zu beachten. So müssen zum Beispiel vor der Inszenierung die Nutzungsrechte für die literarische Vorlage erworben werden. Gleichzeitig kann das Urheberrecht am Theater auch die Produktion schützen.

Wann ist das Urheberrecht am Theater relevant?

Unterliegt die Romanvorlage noch dem Urheberrecht? Das Theater muss dann die Rechte erwerben.
Unterliegt die Romanvorlage noch dem Urheberrecht? Das Theater muss dann die Rechte erwerben.

Wird auf den Brettern, die die Welt bedeuten, eine Aufführung inszeniert, sollte dafür nicht nur schauspielerisches Können vorliegen. Denn dabei gilt es auch rechtlich, einiges zu beachten. So spielt unter anderem das Urheberrecht eine wichtige Rolle, wenn Regisseure ein Stück für das Theater adaptieren.

Unterliegt die Vorlage – zum Beispiel ein Roman – dem Urheberrecht, müssen das Theater bzw. die Verantwortlichen häufig das Einverständnis des Urhebers einholen und entsprechende Nutzungsrechte erwerben. Anders sieht es hingegen bei klassischen Werken von Schiller, Goethe oder Shakespeare aus. Denn da diese bereits seit mehr als 70 Jahren tot sind, ist das Urheberrecht verjährt und deren Werke gelten als gemeinfrei. Daher kann beispielsweise die klassische Version von Romeo und Julia an jeder Schule und von jeder Laienspielgruppe aufgeführt werden, ohne dass dafür Lizenzgebühren oder ähnliches anfallen.

Dies bezieht sich allerdings ausschließlich auf die literarische Grundlage. Darüber hinaus kann das Urheberrecht am Theater aber auch noch anderweitig relevant sein. Zum Beispiel wenn urheberrechtlich geschützte Musik in die Aufführung integriert werden soll. Auch in diesem Fall gilt es zu prüfen, ob entsprechende Schutzrechte bestehen und ob eine Verwendung zulässig ist. 

Basiert ein Bühnenstück nur sehr lose auf einer urheberrechtlich geschützten Vorlage, sodass ein selbstständiges Werk entsteht, kann unter Umständen auch ein Sonderfall des Urheberrechts greifen. Hierbei handelt es sich um die „freie Benutzung“ gemäß § 24 Urheberrechtsgesetz (UrhG). Diese erlaubt die Verwertung bestehender Werke, ohne dass dafür das Einverständnis des Rechteinhabers einzuholen ist. Wann genau ein solcher Fall vorliegt, lässt sich pauschal meist nicht bestimmen, stattdessen ist die Prüfung des jeweiligen Einzelfalls – notfalls sogar vor Gericht – notwendig.

Kann das Urheberrecht ein Theaterstück schützen?

Durch das Urheberrecht können ein Theaterstück oder eine Ballettaufführung geschützt sein.
Durch das Urheberrecht können ein Theaterstück oder eine Ballettaufführung geschützt sein.

Das Urheberrecht ist am Theater nicht nur für die Wahrung bestehender Schutzrechte von Bedeutung, denn auch die Inszenierungen selbst können diese genießen. In § 2 Abs. 1 UrhG listet der Gesetzgeber dazu verschiedenste Werkarten auf. Für das Urheberrecht am Theater sind dabei vor allem diese relevant:

  • Werke der Tanzkunst
  • Werke der Musik

Zur Tanzkunst können dabei Ballettvorführungen gehören, wohingegen Opern und Operetten sich vor allem der Musik bedienen. Zudem gibt es aber auch Aufführungen, die sich vielleicht nicht unbedingt einer einzigen Werkart zuteilen lassen. Möglich ist dies beispielsweise bei einigen Musicals, in den Musik und Tanz miteinander kombiniert werden.

Wer § 2 Abs. 1 UrhG aufmerksam liest, wird zudem feststellen, dass der Gesetzgeber Theaterstücke nicht explizit aufführt. Dies bedeutet allerdings nicht, dass diese keinen Urheberschutz genießen können. Vielmehr handelt es sich bei den aufgeführten Werkarten um Beispiele, die ergänzt werden können.

Durch das Urheberrecht erhält der Schöpfer eines Werkes das ausschließliche Recht, über dessen öffentliche Verwertung zu bestimmen. Dabei ist das in § 19 Abs. 2 UrhG definierte Aufführungsrecht für das Urheberrecht am Theater besonders relevant. Darin heißt es:

Das Aufführungsrecht ist das Recht, ein Werk der Musik durch persönliche Darbietung öffentlich zu Gehör zu bringen oder ein Werk öffentlich bühnenmäßig darzustellen.

Zusammenfassung – FAQ zum Urheberrecht im Theater

Was droht, wenn ich ohne das Einverständnis des Urhebers ein Werk als Theaterstück inszeniere?

In diesem Fall liegt eine Urheberrechtsverletzung vor, die unter anderem eine Abmahnung nach sich ziehen kann. Mit dieser kann der Geschädigte zum Beispiel einen Anspruch auf Schadensersatz geltend machen.

Wie kann ich das Nutzungsrecht für ein Theaterstück erhalten?

Damit Sie ein Werk, welches dem Urheberrecht unterliegt, im Theater inszenieren dürfen, benötigen Sie das Einverständnis des Urhebers. Eine Möglichkeit, um die Rechteinhaber zu ermitteln, bietet die Datenband des Verbandes Deutscher Bühnen- und Medienverlage e.V.

Besitzen Darsteller ebenfalls ein Urheberrecht?

Meist ist dieses nicht der Fall, da keine persönlich geistige Schöpfung vorliegt. Allerdings besitzen diese stattdessen sogenanntes Leistungsschutzrecht.

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