Urheberrecht für Gemälde: Ist die Kombination von Farbe und Leinwand schützenswert?

Mit Pinsel und Malmesser tragen Künstler Farbschicht für Farbschicht auf die Leinwand auf und erschaffen dadurch Kunstwerke. Diese zeigen unsere Umwelt mal bunt oder trist, mal realistisch oder abstrakt. Unabhängig davon, welche Kunstrichtung oder Stil dem Einzelnen zusagt, stellt sich die Frage, on das Urheberrecht grundsätzlich alle Gemälde schützt oder ob es konkrete Kriterien zu erfüllen gilt.

Wann schützt das Urheberrecht ein Gemälde?
Wann schützt das Urheberrecht ein Gemälde?

Urheberrecht für Gemälde – kurz und kompakt

Das Urheberrecht kann Gemälde und andere Kunstwerke unter Schutz stellen, wenn diese die notwendige Schöpfungshöhe erreichen. Dieses Schutzrecht soll unter anderem sicherstellen, dass die Künstler für die Verwertung des Werkes eine Vergütung erhalten und bei einer Urheberrechtsverletzung die Möglichkeit besteht, gegen diesen Verstoß juristisch vorzugehen.

Wann fällt ein Gemälde unter das Urheberrecht?

Als Werke der bildenden Kunst schützt das Urheberrecht auch die Malerei.
Als Werke der bildenden Kunst schützt das Urheberrecht auch die Malerei.

Welche Werke als urheberrechtlich geschützt gelten, definiert der Gesetzgeber bereits in § 1 Urheberrechtsgesetz (UrhG). Darin heißt es:

Die Urheber von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst genießen für ihre Werke Schutz nach Maßgabe dieses Gesetzes.

Anhand dieses Auszuges zeigt sich, dass grundsätzlich die Möglichkeit besteht, dass das Urheberrecht Gemälde unter Schutz stellt. Allerdings müssen die Schöpfungen dafür verschiedene Anforderungen erfüllen. So muss es sich unabhängig von der Werkart um ein von Menschen geschaffenes Erzeugnis handeln.

Darüber hinaus muss sich die Schöpfung auch durch Individualität sowie Kreativität auszeichnen und sich dadurch vom Alltäglichen abheben. Wann dies bei Werken der bildenden Künste der Fall ist, lässt sich pauschal allerdings nicht festlegen. Stattdessen muss ggf. eine Prüfung des jeweiligen Einzelfalls erfolgen. Zu einer solchen kommt es in der Regel aber nur, wenn Gerichte über mögliche Urheberrechtsverletzungen verhandeln.

Schließlich sieht das Urheberrecht für Gemälde oder andere Schöpfungen keine Registrierung samt Kontrolle der notwendigen Schutzkriterien vor. Stattdessen entsteht der Schutz des Urheberrechts automatisch mit der Erstellung des Werkes. Dadurch dürfen Dritte für einen Zeitraum von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers nur mit dessen Einverständnis bzw. der Einwilligung seiner Erben das Werk verwerten.

Ist der Schöpfer eines Werkes bereits mehr als 70 Jahre verstorben, gilt dieses als gemeinfrei. In diesem Fall ist das Urheberrecht für das Gemälde also erloschen und eine Verwendung ist in der Regel auch ohne die Zustimmung der Rechteinhaber zulässig.

Urheberrecht bei der Malerei: Was gilt in Museen?

Auch die im Museum gezeigten Gemälde können dem Urheberrecht unterliegen.
Auch die im Museum gezeigten Gemälde können dem Urheberrecht unterliegen.

Viele berühmte Gemälde sind durch Museen für die Öffentlichkeit zugänglich. Dort hängen sowohl die Werke von bereits lange verstorbenen Künstlern als auch zeitgenössische Arbeiten. Doch verletzen Museumsbesucher, die Gemälde fotografieren, das Urheberrecht?

Ob ein Verstoß gegen das Urheberrecht vorliegt, wenn Gemälde fotografiert und dadurch anschließend im Internet veröffentlicht werden, lässt sich pauschal nicht beantworten. Denn muss unterschieden werden, ob diese noch dem Urheberrecht unterliegen oder ob dieses bereits verjährt ist und die Werke als gemeinfrei gelten.

Darüber hinaus gilt es bei einem Besuch im Museum auch die Hausordnung zu beachten. Denn auch wenn ein Bildnis gemeinfrei ist, kann der Hausherr Fotos untersagen. Informieren Sie sich daher am besten im Voraus, ob Bildaufnahmen erlaubt sind und ob das Urheberrecht für die Gemälde noch greift.

Zusammenfassung – FAQ zum Urheberrecht für Gemälde

Sind Gemälde ewig geschützt?

Nein, denn das Urheberrecht ist in seiner Dauer begrenzt. Die Schutzfrist endet dabei 70 Jahre nach dem Tag des Urhebers.

Schützt das Urheberrecht auch moderne Gemälde, die nur einen bunten Kreis oder ein Quadrat zeigen?

Ob Bilder wie „Das schwarze Quadrat“ von Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch die Kriterien für den Schutz des Urheberrechts erfüllen, ist noch immer umstritten und müsste wohl ggf. vor Gericht geklärt werden. Bei dem von uns gewählten Beispiel ist diese Einschätzung wohl nicht mehr von Bedeutung, denn dieses wäre ohnehin mittlerweile gemeinfrei.

Ist das Fotografieren von Gemälden in Museen erlaubt?

Ob ein Museum das Fotografieren von Kunstwerken und die anschließende Veröffentlichung der Bilder erlaubt, lässt sich meist der Hausordnung entnehmen. So richten einige Institutionen für medienaffine Besucher auch spezielle Selfie-Ecken ein und regen zum zeitgenössischen Umgang mit Kunst an.

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