Urheberrecht beim Zeitungsartikel: Sind Berichte, Kommentare und Reportagen geschützt?

Von urheberrecht.de, letzte Aktualisierung am: 18. Februar 2021

Für viele Menschen ist das Lesen der Zeitung ein fester Bestandteil der morgendlichen Routine, damit Sie gut informiert über die verschiedensten Ereignisse aus Politik, Wirtschaft und Kultur in den Tag starten können. Gleichzeitig befindet sich dieses klassische Medium im Umbruch und wird mittlerweile vielfach auch online konsumiert. Doch hat dies Auswirkungen auf das Urheberrecht beim Zeitungsartikel?

Greift das Urheberrecht bei einem Zeitungsartikel?
Greift das Urheberrecht bei einem Zeitungsartikel?

FAQ zum Urheberrecht beim Zeitungsartikel

Macht es für das Urheberrecht einen Unterschied, ob der Artikel nur digital oder auch gedruckt vorliegt?

Grundsätzlich spielt es für das Urheberrecht bei einem Zeitungsartikel keine Rolle, auf welcher Art und Weise dieser veröffentlicht wurde. Es gelten also für beide Varianten die identischen Schutzrechte gemäß UrhG.

Darf ich Zeitungsartikel fotografieren und anschließend veröffentlichen?

Bei urheberrechtlich geschützten Werken entscheidet ausschließlich der Schöpfer bzw. Rechteinhaber, wann und wie diese veröffentlicht werden. Wollen Dritte diesen in einer anderen Publikation abdrucken oder auf einer Internetseite präsentieren, benötigen Sie dafür das Einverständnis des Urhebers. Dies gilt grundsätzlich für jede Vervielfältigung laut Urheberrecht. Ob Sie Zeitungsartikel einscannen, kopieren oder abtippen, ist dabei irrelevant.

Dürfen Zeitungsartikel für den Schulunterricht kopiert werden?

Zur Veranschaulichung des Unterrichts dürfen Bildungseinrichtungen verschiedene urheberrechtlich geschützte Werke verwenden. So können gemäß § 60a UrhG bis zu 15 Prozent vervielfältigt werden. Damit dennoch Presseerzeugnisse in vollem Umfang genutzt werden können, haben sich Bundesländer,  Verleger und Verwertungsgesellschaften auf ein Lizenzmodell geeinigt.

Unterliegen Zeitungsartikel dem Urheberrecht?

Urheberrecht: Die in Zeitungen veröffentlichten Texte genießen häufig Schutz.
Urheberrecht: Die in Zeitungen veröffentlichten Texte genießen häufig Schutz.

Zu den Werkarten, die gemäß § 2 Abs. 1 Urheberrechtsgesetz (UrhG) prinzipiell den Schutz des Urheberrechts genießen können, zählen auch die sogenannten Sprachwerke. Dieser Sammelbegriff umfasst verschiedenste Texte – wie Romane und Gedichte –, Reden sowie Computerprogramme. Zudem können laut Urheberrecht Zeitschriften- und Zeitungsartikel als Sprachwerk gelten.

Allerdings schreibt der Gesetzgeber für den Urheberschutz auch Bedingungen vor. So liegt ein Werk nur dann vor, wenn es sich dabei um eine persönliche geistige Schöpfung handelt. Ob diese bei einem Zeitungsartikel der Fall ist, muss ggf. individuell geprüft werden. Allerdings heißt es in einem Urteil des Berliner Kammergerichts vom 30. April 2004 (Az. 5 U 98/02) dazu:

Zeitungsartikel und Zeitschriftenartikel stellen in der Regel persönliche geistige Schöpfungen dar […]. Die vielfältigen Möglichkeiten, ein Thema darzustellen, die fast unerschöpfliche Vielzahl der Ausdrucksmöglichkeiten führen dazu, dass ein solcher Artikel nahezu unvermeidlich die Individualprägung seines Autors erhält. Dies gilt nicht nur für Artikel, in die die eigene Meinung des Autors einfließt, wie etwa Kommentare, sondern auch für die reine Berichterstattung.

Gemäß der Einschätzung des Berliner Kammergerichts ist also in der Regel davon auszugehen, dass das Urheberrecht für Zeitungsartikel greift. Dies hat zur Folge, dass für die Veröffentlichung und Verwertung entsprechender Werke besondere Vorschriften gelten.

Unter das Urheberrecht können bei Zeitungen aber nicht nur die Artikel fallen. So besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit, dass entsprechende Schutzrechte auch für Fotos, Karikaturen, Grafiken oder Kreuzworträtsel bestehen.

Kann wegen einem Zeitungsartikel eine Abmahnung drohen?

Darf ich Zeitungsartikel kopieren und veröffentlichen?
Darf ich Zeitungsartikel kopieren und veröffentlichen?

Um für geistige Schöpfungen einen gewissen Schutz zu gewährleisten, gelten für die Verwertung dieser verschiedene Regeln. So benötigen Personen, die einen durch das Urheberrecht geschützten Zeitungsartikel veröffentlichen oder verbreiten möchten, dafür das Einverständnis des Urhebers.

Ohne dieses ist es zum Beispiel laut Urheberrecht untersagt, einen Zeitungsartikel auf einer Homepage zu veröffentlichen. Dies gilt auch dann, wenn Sie mithilfe von Quellenangaben auf den Urheber hinweisen. Zudem können Sie sich nicht auf das Zitatrecht gemäß § 51 UrhG und somit die Schranken des Urheberrechts berufen, wenn der Text nicht als Beleg für eine wissenschaftliche Arbeit oder ähnliches dient.

Ein Veröffentlichungsverbot gilt auch dann, wenn in dem Text über Sie als Unternehmer oder Künstler berichtet wird. Möchten Sie den Artikel zur Eigenwerbung nutzen, sollten Sie daher vorab eine schriftliche Einwilligung für die Veröffentlichung auf Ihrer Internetseite einholen. Alternativ dazu können Sie auch nur einen Link zum Artikel auf Ihrer Webseite einfügen.

Darüber hinaus ist es zulässig, für die eigenen Unterlagen eine Kopie des Beitrags anzufertigen, solange anschließend keine unerlaubte Veröffentlichung erfolgt. Juristen bezeichnen dies als sogenannte Privatkopie.

Wer gegen das Urheberrecht bei einem Zeitungsartikel verstößt, muss ggf. wegen dieser Urheberrechtsverletzung mit einer Abmahnung rechnen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist gar nicht so gering, denn immer mehr Verleger gehen gegen widerrechtliche Veröffentlichungen vor. Dabei fordern Sie neben der Abgabe einer Unterlassungserklärung in der Regel auch mehrere hundert Euro Schadensersatz

Urheberrecht beim Zeitungsartikel – kurz und kompakt

Zeitungsartikel können zu den Sprachwerken zählen und somit den Schutz des Urheberrechts genießen. Werden entsprechende Beitrage dennoch ohne das Einverständnis der Rechteinhaber verbreitet, droht eine Abmahnung samt Unterlassungserklärung.

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18 Gedanken zu „Urheberrecht beim Zeitungsartikel: Sind Berichte, Kommentare und Reportagen geschützt?

  1. Andi

    Wie steht es mit dem Posten von Zeitungsartikeln in politischen Diskussionen, wenn diese inhaltlich diskutiert und die enthaltenen Themen politisch-inhaltlich bearbeitet werden? Ein Verstoß gegen das Urheberrecht – oder keiner?

    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Andi,
      setzen Sie sich in einem eigenen Werk mit fremden Inhalten auseinander, ist das Zitieren in Teilen in der Regel erlaubt. Für die Veröffentlichung gesamter Artikel benötigen Sie gemäß Urheberrecht das Einverständnis des Urhebers.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      1. Greiner

        Hallo, ich erstelle eine Chronik für ein Café in Buchform. In dieser sind alte Fotos und alte Zeitungsartikel, die ich eingescannt habe, abgebildet von z. B. der Eröffnung vor 30 Jahren. Darf man die alten eingescannten Artikel abdrucken oder muss man den Urheber nennen? Reicht es, wenn man als Quellenangabe die Zeitung nennt?

        1. urheberrecht.de Beitragsautor

          Hallo Greiner,
          für die Verwertung urheberrechtlicher Werke ist in der Regel das Einverständnis der Urheber einzuholen.

          Ihr Team von urheberrecht.de

  2. Anne

    Eine Zeitung hat einen Bericht veröffentlich und der Autor wurde dafür bezahlt. Kann ebendiese Zeitung diesen Bericht irgenwann wieder im gleichen Medium veröffentlichen?

    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Anne,
      hierbei kommt es wohl vor allem auf die Vereinbarungen zwischen Autor und Zeitung an.

      Ihr Team von urheberrecht.de

  3. Maria

    Wie sieht es aus, wenn ich als Vereinsvorstand einen eingescannten Artikel in einem geschlossenen Intranet poste und ihn damit den Vereinsmitgliedern zur Verfügung stelle? Der Bereich ist nur für Mitglieder mit Passwort zugänglich.
    Oder andere Frage: wie sieht es beim Versenden eines Anhangs per E-Mail an die Vereinsmitglieder aus?

    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Maria,
      ob in diesem Fall noch von einer Privatkopie die Rede ist, hängt vor allem von der Personenanzahl ab, der Sie den Artikel zur Verfügung stellen.

      Ihr Team von urheberrecht.de

  4. Katherine

    Hallo Urheberrecht Team,

    wie sieht es mit Sprachunterricht in der Industrie oder an der Universität aus? Darf man einen Zeitungsartikel (aus Deutschland oder aus dem Ausland) in der Gruppe lesen und diskutieren z.B um neue Vokabeln zu erwerben?

    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Katherine,
      zur Veranschaulichung des Unterrichts und der Lehre an Bildungseinrichtungen dürfen laut Urheberrecht in der Regel urheberrechtlich geschützte Inhalte genutzt werden. Bei einzelnen Beiträgen aus derselben Fachzeitschrift oder wissenschaftlichen Zeitschrift und sonstigen Werken geringen Umfangs ist dies in vollem Umfang möglich. Ansonsten nur 15 Prozent eines Werkes.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      1. Katherine

        Danke! Und in der Industrie, z.B kein Bildungseinrichtung aber eine private Firma?

        1. urheberrecht.de Beitragsautor

          Hallo Katherine,
          für Bildungseinrichtungen gelten besondere Vorschriften, sodass das Einverständnis des Urhebers nicht eingeholt werden muss. Liegt hingegen eine reguläre Verwertung vor, verlangt der Gesetzgeber den Erwerb entsprechender Nutzungsrechte.

          Ihr Team von urheberrecht.de

  5. Martina

    Hallo Urheberrechts-Team,

    wenn ich als Künstler teile von Zeitungsartikeln oder Buchseitenfetzen als Hintergrund für ein Bild verwende, stellt das dann auch eine Urheberrechtsverletzung dar? Es sind nur einzelne Seitenfetzen und ggf. nicht erkennbar woher die Seite stammt?!

    Viele Grüße

    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Martina,
      eine pauschale Einschätzung dazu ist uns nicht möglich.

      Ihr Team von urheberrecht.de

  6. Robert

    Wie sieht es mit zitierten O-Tönen in Zeitungsartikeln aus? Eine Zeitung holt also O-Töne z.B. von Politikern ein und strickt daraus eine Meldung. Ich berichte über diese Meldung und zitiere selbst ausschließlich die Äußerungen Dritter, die in der Meldung wörtlich zitiert werden, diese allerdings vollständig. Zulässig?

    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Robert,
      wir dürfen keine kostenlose Rechtsberatung geben. Wenden Sie sich ggf. für eine Einschätzung an einen Anwalt.

      Ihr Team von urheberrecht.de

  7. Kristina

    Guten Tag, wie verhält es sich mit Artikeln, die freiberuflich im Auftrag einer Zeitung verfasst worden sind. Ist der Autor der Urheber oder liegen die Urheberrechte bei der Zeitung? (Ohne Vertragsunterzeichnung, ausschl. MA-Fragebogen)
    Liebe Grüße und Danke

    1. urheberrecht.de Beitragsautor

      Hallo Kristina,
      das Urheberrecht bleibt in Deutschlang grundsätzlich beim Schöpfer des Werkes. Dritten können aber über Nutzungsrechte verfügen.

      Ihr Team von urheberrecht.de

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