Urheberrecht: Welche Dauer ist für den Schutz festgelegt?

Durch das Urheberrecht stehen der Schöpfer und sein Werk unter einem besonderen Schutz. Allerdings wird damit auch die Nutzung durch die Allgemeinheit eingeschränkt. Um die kulturelle Vielfalt und Weiterentwicklung zu fördern, ist das Urheberrecht in seiner Dauer beschränkt. Nach der Verjährung des Urheberrechts gilt das Werk dann als gemeinfrei und kann von jedem genutzt werden.

Urheberrecht: Die Dauer des Schutzes hängt von der Werkart ab.

Urheberrecht: Die Dauer des Schutzes hängt von der Werkart ab.

Urheberrecht und die Dauer des Rechtsschutzes – kurz und kompakt

Der Schutz, den der Schöpfer und sein Werk durch das Urheberrecht genießen, ist zeitlich beschränkt. In der Regel ist die Gültikeit beim Urheberrecht auf eine Dauer von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers festgelegt. Allerdings exisitieren auch Ausnahmen.

Wie lange gilt das Urheberrecht?

Nach Ablauf der Schutzfrist beim Urheberrecht sind die Werke gemeinfrei.

Nach Ablauf der Schutzfrist beim Urheberrecht sind die Werke gemeinfrei.

Der Schutz, der bei der Entstehung eines Werkes durch die Urheberschaft entsteht, gilt nur für einen bestimmten Zeitraum. Wie lange der Urheber dabei in den Genuss der verschiedenen Privilegien kommt – zu denen unter anderem das Urheberpersönlichkeitsrecht und die Verwertungsrechte zählen – hängt dabei von der Werkart und dem Entstehungsrahmen ab.

Die Regelungen zum Urheberrecht und seiner Dauer sind im Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte – auch als Urheberrechtsgesetz (UrhG) bekannt – festgehalten. Explizit mit der Gültigkeitsdauer des Urheberrechts befassen sich dabei die Paragraphen 64 bis 69 UrhG.

In § 64 UrhG wird die urheberrechtsliche Schutzdauer wie folgt angegeben:

Das Urheberrecht erlischt siebzig Jahre nach dem Tode des Urhebers.

Es zeigt sich also, dass die Dauer beim Urheberrecht nicht auf eine generelle Jahreszahl festgelegt ist. Vielmehr ist sie abhängig vom Alter des Urhebers bei der Entstehung und seiner Lebenserwartung. Schreibt ein 20 jähriger Autor also einen Roman und erreicht das stolze Alter von 97 Jahren, kann dieses Werk 147 Jahre durch das Urheberrecht geschützt werden.

Nach dem Tod des Schöpfers geht das Urheberrecht für 70 Jahre auf seine Erben über. In diesem Zeitraum können die hinterbliebenen Angehörigen über eine Verwertung der Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte entscheiden und Dritten Nutzungsrechte erteilen. Zudem sind sie die Begünstigten der Einnahmen, die die Verwertung der Werke erzielt.

Laut § 69 UrhG beginnt die Berechnung für die Dauer des Urheberrechts mit dem Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Urheber verstirbt.

Urheberrecht: Dauer bei mehreren Urhebern

Beim Urheberrecht wird bei der Gültigkeitsdauer zwischen Lichtbild und Lichtbildwerk unterschieden.

Beim Urheberrecht wird bei der Gültigkeitsdauer zwischen Lichtbild und Lichtbildwerk unterschieden.

Sind mehrere Urheber für die Entstehung einer gemeinschaftlichen Arbeit verantwortlich – handelt es sich bei ihnen also um sogenannte Miturheber – ist der Tod des längstlebenden Urhebers für die Schutzdauer ausschlaggebend.

Eine analoge Regelung gilt auch bei Filmwerken oder ähnlichen Schöpfungen. Bei diesen Werken sind eine Vielzahl von Personen beteiligt. Aus diesem Grund schreibt das UrhG in § 65 Abs. 2 die Miturheber fest, die Einfluss auf das Urheberrecht und seine Dauer haben.

Dabei handelt es sich um den Hauptregisseur, den Urheber des Drehbuchs, den Urheber der Dialoge und den Komponisten der Filmmusik. Erst nach dem Tod des Längstlebenden aus diesem Personenkreis beginnt beim Urheberrecht die Gültigkeitsdauer von 70 Jahren.

Welche Fristen gelten bei anonymen und pseudonymen Werken?

Sind bei einem Werk der Autor und dessen Lebensdaten unbekannt, weil die jeweilige Schöpfung anonym bzw. unter einem Pseudonym veröffentlicht wurde, können diese logischerweise nicht für das Urheberrecht und seine Dauer herangezogen werden.

In solchen Fällen sieht das UrhG nach § 66 Abs. 1 eine andere Regelung vor:

Bei anonymen und pseudonymen Werken erlischt das Urheberrecht siebzig Jahre nach der Veröffentlichung. Es erlischt jedoch bereits siebzig Jahre nach der Schaffung des Werkes, wenn das Werk innerhalb dieser Frist nicht veröffentlicht worden ist.

Offenbart der Urheber seine Identität allerdings innerhalb dieser 70 Jahre oder kann das Pseudonym eindeutig einer Person zugeordnet werden, sodass an seiner Person kein Zweifel mehr besteht, greift wieder die ursprüngliche Regelung aus § 64 UrhG.

Über die Identität des Urhebers kann nach dem Tod des Schöpfers auch sein Rechtsnachfolger – also seine Erben – oder ein Testamentsvollstrecker aufklären.

Urheberrecht: Wann erlischt es nicht nach 70 Jahren?

Beim Urheberrecht und der Dauer des Rechtsschutzes existieren allerdings auch Ausnahmen. Zu diesen zählen unter anderem Licht- und Laufbilder. Bei diesen besteht die Schutzdauer für 50 Jahre nach der Veröffentlichung bzw. wenn diese nicht erfolgte, nach der Herstellung.

Bei Lichtbildern handelt es sich zum Fotografien, die nicht über das ausreichende Maß an Individualität und Kreativität verfügen. Aus diesem Grund zählen diese nicht als Lichtbildwerke.

Als Lichtbild gelten unter anderem Schnappschüsse, Automatenfotos, Bilder aus Überwachungskameras und Satellitenaufnahmen.

Als Laufbilder gelten Bild- oder Bild- und Tonfolgen, welche nicht die ausreichende Schöpfungshöhe eines Filmwerkes erreichen. Typische Beispiele sind unter anderem Dokumentaraufnahmen, die nur das Geschehen wiedergeben, wie Nachrichtenbeiträge über Politik, Kultur und Sport. Aber auch Videos von Familienfeiern können zu den Laufbildern zählen.

Schutzfrist beim Urheberrecht: Internationale Regelungen

Die Dauer beim Urheberrecht ist abhängig von der Werkart.

Die Dauer beim Urheberrecht ist abhängig von der Werkart.

Durch die Globalisierung und der Verwertung von urheberrechtlichen Werke über die Landesgrenzen hinweg, wurden zum Schutz des Urheberrechts internationale Abkommen geschlossen. Mit diesen eigneten sich die Mitgliedsstaaten auf einheitliche Mindeststandards.

Für das Urheberrecht und seine Dauer ist dabei vor allem die Berner Übereinkunft zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst – aufgrund der diversen Anpassungen heutzutage als Revidierte Berner Übereinkunft ((R)BÜ) bezeichnet – von Bedeutung.

Mehr als 170 Staaten haben diese Übereinkunft unterzeichnet und sich damit auf eine garantierte Schutzdauer von mindestens 50 Jahren über den Tod des Urhebers hinaus geeinigt. Allerdings steht es den Vertragsstaaten frei, die Dauer des Urheberrechts zu verlängern.

So einigten sich die Staaten der Europäischen Union (EU) 1993 im Zuge der Harmonisierung des Schutzes beim Urheberrecht auf eine Dauer von 70 Jahren. Die Vereinigten Staaten von Amerika erweiterten 1998 die Gültigkeitsdauer durch den Sonny Bono Copyright Term Extension Act ebenfalls auf 70 Jahre.

Die weltweit längste Regelschutzfrist beim Urheberrecht gilt in Mexiko. Dort sind die Werke noch für 100 Jahre nach dem Tod des Urhebers geschützt.

Zusammenfassung – FAQ zum Urheberrecht und der Dauer des Rechtsschutzes

Frage 1: Kann das Urheberrecht auch vor Ablauf der Schutzfrist übertragen werden?

Das Urheberrecht kann nur nach dem Tod des Urhebers auf seine Erben übertragen werden. Dem Urheber steht es allerdings frei, Dritten Nutzungsrechte für sein Werk einzuräumen. Dafür wird in der Regel ein Lizenzvertrag aufgesetzt, der auch die finanzielle Vergütung sicherstellt.

Frage 2: Was passiert mit den Werken nach Ablauf der Frist?

Wenn beim Urheberrecht die Dauer der Schutzrechte verstrichen ist, gelten diese als gemeinfrei. Das bedeutet, dass jeder diese Werke ohne eine Genehmigung, eine Zahlungsverpflichtung oder eine Beschränkung des Zwecks nutzen darf.

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8 thoughts on “Urheberrecht: Welche Dauer ist für den Schutz festgelegt?

  1. Manfred P.

    Ich habe ein Gemälde im Internet entdeckt, dessen Maler vor 75 Jahren verstarb. Darf ich das Bild als Cover fuer ein Buch benutzen ohne Ärger zu bekommen?

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    1. Urheberrecht.de

      Hallo Manfred,

      prinzipiell erlischt das Urheberrecht zwar nach einer gewissen Zeit nach dem Tod, denn noch kann z. B. die Internetplattform noch Rechte besitzen. Wenden Sie sich an diese um die Informationen einzuholen oder an einen Rechtsanwalt.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

      Reply
  2. G.

    Hallo,
    mir ist der Unterschied zwischen Urheber des Drehbuches und Urheber der Dialoge nicht klar, da Dialoge natürlich aus dem Drehbuch stammen. Anders ausgedrückt: Wer ist der Urheber der Dialoge beim Film? Geht es ggf. um die Synchronisation von fremdsprachigen Filmen, sodass auch der Autor der deutschen Synchronisation maßgebend wäre?!
    Ich danke Ihnen für eine kurze Auskunft!
    Beste Grüße
    G.

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    1. Urheberrecht.de

      Hallo G.,

      ein Drehbuch besteht nicht nur aus Dialogen, sondern auch aus Beschreibungen der Szenen und Handlungsverläufe. Werden diese nicht von der derselben Person geschrieben, die auch für die Dialoge verantwortlich ist, teilt sich das Urheberrecht entsprechend auf.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

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  3. Kurt

    Guten Tag, ein Kuenstler hat zahlreihe Kunstwerke geschaffen. Teilweise sind sie durch Zerstoerung untergegangen. Es existieren nur alte Fotos aus den 40er Jahren. Der Fotograf ist unbekannt. Der erbende Ehepartner des Kuenstlers, gest. 1986 ist ebenfalls seit 1989 tot. Andere Erben gibt es nicht. Wann endet der Urheberrechtsschutz in so einem Fall?
    Die 70 Jahre machen da doch keinen Sinn.

    Reply
    1. Urheberrecht.de

      Hallo Kurt,

      klären Sie diesen komplexen Fall am besten mit einem Anwalt für Urheberrecht. Wir dürfen hier leider keine Rechtsberatung anbieten.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

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  4. Ingo W.

    Hallo,

    kann das Copyrigth einer Datei ( Download und Textdatei) auf 10 Jahre beschränkt sein wenn der Urheber das in einer gelieferten Textdatei so angibt ( (c) 2001- 2011) ?

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    1. Urheberrecht.de

      Hallo Ingo,

      in Deutschland gilt kein Copyright. Es gelten die gesetzlichen Regeln des Urheberrechts. Mit Fragen dazu können Sie sich dann an den Rechteinhaber wenden.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

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