Muss das Urheberrecht in der Schule beachtet werden?

Um den Unterricht ansprechend und spannend zu gestalten, greifen Lehrer immer wieder auf urheberrechtlich geschützte Werke zurück. Mediale Elemente sind dafür fester Bestandteil des Lehrplans. Dabei darf das Urheberrecht in der Schule aber nicht ignoriert werden.

Urheberrecht in der Schule: Für Bildungszwecke gelten besondere Regelungen.

Urheberrecht in der Schule: Für Bildungszwecke gelten besondere Regelungen.

Urheberrecht in der Schule – kurz und kompakt

Um Bildung und Forschung zu fördern, gelten für das Urheberrecht in der Schule besondere Ausnahmen. Diese erlauben es Lehrern zum Beispiel, geschützte Werke für ihre Schüler zu kopieren.

Urheberrecht für Lehrer: Diese Regeln sollten Lehrkräfte beachten

Lehrer können ihren Unterricht durch viele Medien anreichern. Teilweise handelt es sich dabei allerdings um durch das Urheberrecht geschützte Werke. Einfluss auf das Urheberrecht in der Schule haben zum Beispiel folgende Unterrichtsmaterialen:

  • Textauszüge
  • Noten
  • Filme und Videos
  • Musik
  • Arbeitsblätter

Für solches Unterrichtsmaterial kann das Urheberrecht gelten, sodass die Verwendung in der Schule das Einverständnis des Schöpfers bedarf. Allerdings greift beim Urheberrecht in der Schule eine Schranke.

Schranken des Urheberrechts

Eine Schranke im Urheberrecht erlaubt es, Unterrichtsmaterial zu kopieren.

Eine Schranke im Urheberrecht erlaubt es, Unterrichtsmaterial zu kopieren.

Als alleiniger Inhaber der Urheberpersönlichkeits- und Verwertungsrechte – zu denen unter anderem auch das Vervielfältigungsrecht zählt – kann der Urheber über die Verwendung seines Werkes bestimmen. Allerdings können diese Rechte zugunsten der Allgemeinheit beschränkt werden. Die Gründe für diese Eingriffe in das Urheberrecht werden als Schranken bezeichnet.

Eine solche Schranke beim Urheberrecht kommt im Unterricht zu tragen. Denn in § 52a Urheberrechtsgesetz (UrhG) wird die öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung erlaubt.

Laut dem UrhG ist es somit zulässig, Teile eines Werkes oder kleine Werke öffentlich zugänglich zu machen, wenn dies für den Unterrichtsgebrauch genutzt und kein kommerzieller Zweck verfolgt wird. Die Zustimmung der Rechteinhaber wird nur bei Schul- und Lehrbüchern benötigt.

Die Bundesländer zahlen für die öffentliche Zugänglichmachung geschützter Werke eine Vergütung an die unterschiedlichen Verwertungsgesellschaften.

Unterrichtsmaterial kopieren: Das Urheberrecht setzt konkrete Grenzen

Urheberrecht an Schulen: Lehrer sollten die Vorschriften kennen.

Urheberrecht an Schulen: Lehrer sollten die Vorschriften kennen.

Das Urheberrecht in der Schule erlaubt es, Printmedien in Klassenstärke für den Unterricht und für Prüfungszwecke zu fotokopieren. Allerdings sieht das Urheberrecht für Unterrichtsmaterial einige Beschränkungen vor, zum Beispiel beim Umfang der Kopien.

Aus allen Werken, zu denen unter anderem auch Schulbücher, Arbeitshefte, Sachbücher und belletristische Romane zählen, dürfen Lehrer für ihre Schulklasse bis zu 10 Prozent bzw. maximal 20 Seiten kopieren. Dieses Kontingent gilt pro Werk für jeweils ein Schuljahr und eine Klasse.

Kleine Werke dürfen sogar vollständig vervielfältigt werden. Bei Musikeditionen beschränkt sich dies auf Werke mit maximal 6 Seiten, bei sonstigen Druckwerken liegt die Grenze bei maximal 25 Seiten. Zusätzlich dazu ist es Lehrkräften erlaubt, ihren Schülern Kopien von Bildern, Fotos und sonstigen Abbildungen zur Verfügung zu stellen.

Das Urheberrecht an Schulen schreibt eine Quellenangabe bei Kopien vor. Diese muss Autor, Buchtitel, Verlag, Erscheinungsjahr sowie die entsprechende Seite enthalten.

Ist der Bedarf an Fotokopien für den Unterricht größer, können Verlage ergänzende Kopierlizenzen erteilen. Die Schule erwirbt in einem solchen Fall also Nutzungsrechte für ein Schulbuch.

Urheberrecht: Wer einen Film in der Schule zeigt, bewegt sich in einer Grauzone

Urheberrecht: Werden im Unterricht von Schülern Werke erschaffen, stehen auch diese unter Schutz.

Urheberrecht: Werden im Unterricht von Schülern Werke erschaffen, stehen auch diese unter Schutz.

Zeigen Lehrer Filmewerke auf DVD im Unterricht, kann dies problematisch aus Sicht des Urheberrechts sein. Denn grundsätzlich ist es nur zulässig, Filmwerke in einem nicht-öffentlichen Rahmen vor miteinander verbundenen Personen vorzuführen. Diese Regelung schließt die Familie und den Freundeskreis ein.

Unter Experten und Juristen ist es allerdings umstritten, ob auch für einen Klassenverband bzw. Schüler im Allgemeinen diese Vorschrift gilt. Zeigen Lehrer also ein durch das Urheberrecht geschützte Filmwerk im Unterricht, begeben sie sich in eine juristische Grauzone.

Solange noch keine eindeutige Rechtssprechung vorliegt, sollten Lehrer auf schulweite oder öffentliche Filmvorführungen verzichten und Aufführungen nur im festen Klassenverband organisieren.

Alternativ können Lehrkräfte auch auf Dienste zurückgreifen, die einen Filmverleih für Schulen ermöglichen oder Medien nutzen, für die die Schule spezielle Lizenzen erworben hat.

Zusammenfassung – FAQ zum Urheberrecht in der Schule

Frage 1: Können auch Arbeiten von Schülern unter das Urheberrecht fallen?

Das Urheberrecht gilt für alle Werke, die eine bestimmte Schöpfungshöhe erreichen. Dies kann auch bei Bildern aus dem Kunstunterricht oder Aufsätzen im Deutschkurs der Fall sein. Sollen solche Schülerarbeiten beispielsweise in der Schülerzeitung oder der Schulwebseite veröffentlicht werden, kann es laut dem Urheberrecht in der Schule sinnvoll sein, einen Vertrag über Nutzungsrechte abzuschließen.

Frage 2: Gilt das Urheberrecht auch bei einer kostenlosen Schülerzeitung?

Beim Urheberrecht ist es unwichtig, ob das Werk mit oder ohne Gewinnabsicht verbreitet wird. Die Verwertung fremder, urheberrechtlich geschützter Werke, bedarf auch bei einer Schülerzeitung die Einwilligung des Rechteinhabers. Liegt diese für Texte oder Bilder nicht vor, kann eine Abmahnung wegen einer Urheberrechtsverletzung drohen.

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18 thoughts on “Muss das Urheberrecht in der Schule beachtet werden?

  1. Josey

    Sehr geerhte Damen und Herren,

    muss ich für ein Referat, das ich nur vor der Klasse halte, peinlich genau auf das Urheberrecht achten? Es wird ja nie veröffentlicht.

    Danke

    Reply
    1. Urheberrecht.de

      Hallo Josey,

      im Schulunterricht ist es ausreichend, wenn Sie Ihre Quellen angeben und darauf achten, nichts Wort für Wort abzuschreiben und als Ihr eigenes Gedankengut darzustellen. Zitate, die als solche eindeutig gekennzeichnet sind, verursachen keine Probleme. Sprechen Sie am besten zunächst mit Ihrem Lehrer oder Ihrer Lehrerin. Derjenige kann Ihnen sagen, auf welche Angaben Sie achten sollen.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

      Reply
  2. Albert

    Sehr Geehrte Damen und Herren

    Meine Wirtschaftslehrerin will der Klasse die Prüfungsfrageblätter nicht abgeben, ihre Begründung ist, dass es ihr geistiges Eigentum sei. Nun wollte ich fragen, ob das stimmt. Wenn ja wo ist das gesetzlich verankert, oder ist es im Gesetzbuch ein ähnliches Beispiel niedergeschrieben.

    Danke

    Reply
    1. Urheberrecht.de

      Hallo Albert,

      bei solchen schulinternen Problemen können wir leider nicht direkt weiterhelfen. Wir raten Ihnen, sich mit dem zuständigen Vertrauenslehrer oder dem Direktor dazu zu verständigen. Geistiges Eigentum kann hier durchaus vorliegen. Es bleibt jedoch zu klären, wie die Schulleitung die Ausgabe von Prüfungsfragen regelt.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

      Reply
  3. Nicola

    Liebes Team,

    wenn ich also als Lehrerin auf einer Webseite eine Illustration finde, die ich für den Schulunterricht nutzen möchte,
    a) muss ich den Urheber um Erlaubnis bitten und er muss sie mir erteilen, oder
    b) kann oder muss ich den Urheber lediglich informieren (oder auch nicht), solange ich einen Quellenhinweis angebe?

    2) Wenn ich ein Werk im Internet finde, das ich für Unterrichtszwecke gem. Gesetz nutzen darf, erstreckt sich das nur auf die Abbildung (bzw. Kopie) oder auch auf die Weiterverarbeitung (z.B. umfärben, Text hinzufügen etc.)?

    Logisch: am besten ist immer, beim Urheber direkt mal nachzufragen, aber jetzt kommt
    3) Es gibt Webseiten, die veröffentlichen fremde Werke und entfernen die originalen Urhebervermerke (weit verbreitet auf facebook etc.), was zwar schlecht, aber leider nicht zu ändern ist. Wenn ich ein solches Werk im Unterricht nutzen möchte, aber den ursprünglichen Urheber nicht ausmachen kann, wen frage ich um Erlaubnis bzw. welche Quellenangabe nutze ich?

    Vielen Dank für eure kompetente Seite!
    Liebe Grüße
    Nicola

    Reply
    1. Urheberrecht.de

      Hallo Nicola,

      nutzen Sie die Bilder ausschließlich im Schulunterricht, sind Quellenangaben ausreichend. Hierbei müssen Sie die Urheber nicht extra kontaktieren. Als Quellenangabe bietet sich immer die Internetseite an, auf der Sie das Bild gefunden haben, wenn der Urheber nicht auffindbar ist.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

      Reply
  4. Emma

    Sehr geehrtes Team von Urheberrecht.de,
    im Rahmen einer schulinternen Veranstaltung, möchten wir gerne einen Spielfilm vor ca. 300 Schülerinnen und Schülern zeigen. Um uns rechtlich abzusichern würden wir gerne wissen, welche Auflagen wir beachten müssen.

    Vielen Dank für eure Unterstützung

    Mit freundlichen Grüßen
    Emma

    Reply
    1. Urheberrecht.de

      Hallo Emma,

      Lehrer können in der Regel Filme ohne gesonderte Erlaubnis vor der Klasse vorführen. Nur manche Medienvertriebe, die Filme verleihen, können hier anderer Auffassung sein.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

      Reply
  5. Stefan

    Schüler gestalten Poster (digital) zu verschiedenen Themen (z.B. Energiewende). Dazu verwenden sie zur Visualisierung Bilder aus dem WWW (z.B. von Energieunternehmen, Zeitungen, Privatinitiativen), stellen sie neu zusammen, kommentieren sie, ordnen den Kontext ein etc.pp.
    Quellenangaben werden auf dem Poster angegeben, eine Anfrage nach den Rechten für jedes einzelne Bild kann jedoch schon aus organisatorischen Gründen nicht eingeholt werden.

    1. Dürfen die Poster außerhalb des Klassenraums im Schulgebäude ausgehängt werden?
    2. Müssen die Poster an einem Tag der offenen Tür abgehängt werden wegen schulfremder Besucher, also Öffentlichkeit?
    3. Dürfen die Posterdateien (üblicherweise pdf) auf die Homepage der Schule gestellt werden?

    Reply
    1. Urheberrecht.de

      Hallo Stefan,

      § 52a Urheberrechtsgesetz besagt mitunter “Zulässig ist, veröffentlichte kleine Teile eines Werkes, Werke geringen Umfangs sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften zur Veranschaulichung im Unterricht an Schulen, Hochschulen, nichtgewerblichen Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung sowie an Einrichtungen der Berufsbildung ausschließlich für den bestimmt abgegrenzten Kreis von Unterrichtsteilnehmern […] öffentlich zugänglich zu machen, soweit dies zu dem jeweiligen Zweck geboten und zur Verfolgung nicht kommerzieller Zwecke gerechtfertigt ist [.]”

      Innerhalb der Schule können die genannten Werke mit Quellenangaben auf die unter Punkt 1 und 2 beschriebene Art und Weise genutzt werden. Bei der Veröffentlichung im Internet kann es ohne Einwilligung der Urheber jedoch zu Problemen kommen. Lassen Sie sich diesbezüglich von einem Anwalt für Urheberrecht beraten.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

      Reply
  6. Ulla

    Guten Abend,
    darf ein/e Lehrer/in die im Kunstunterricht angefertigten Bilder von SchülerInnen kopieren und veräußern, ohne hierzu vorab die Genehmigung der Eltern einzuholen?
    Vielen Dank!

    Reply
    1. Urheberrecht.de

      Hallo Ulla,

      Sie sollten sich die Genehmigung der erziehungsberechtigten Personen geben lassen. Andernfalls kann es zu einer Klage wegen Urheberrechtsverletzung kommen.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

      Reply
  7. Christina

    Hallo,
    liegt das Urheberrecht für von mir erstellte Unterrichtsmaterialien bei mir oder bei meinem Arbeitgeber? Ist es rechtens, dass der Arbeitgeber mit meiner Tätigkeit als Lehrkraft die Rechte an meinen Unterlagen im Arbeitsvertrag automatisch übertragen bekommt und ich davon nichts behalten darf?

    Reply
    1. Urheberrecht.de

      Hallo Christina,

      eine Anstellung ändert nichts an dem Urheberrecht, dass Sie bei Ihren eigenen Werken besitzen. Konsultieren Sie einen Anwalt für Urheberrecht, wenn sich Ihr Chef hier nicht einsichtig zeigt. Dieser kann auch unwirksame Vertragsklauseln für nichtig erklären, insofern diese bestehen.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

      Reply
  8. Gerhard

    Frage: das im Klassenverband genutzte Arbeitsheft wird nicht mehr zum Verkauf angeboten. Darf für einen neuen Mitschüler das Arbeitsheft einmal vollständig kopiert werden, auch ohne Einverständnis des Verlages?

    Reply
    1. Urheberrecht.de

      Hallo Gerhard,

      Urheberrecht lässt hier nur eine Kopie durch Lehrer in einem Umfang von 10 Prozent und maximal 20 Seiten zu. Vielleicht finden Sie das Arbeitsheft noch günstig im Modernen Antiquariat, also beispielsweise in Gebrauchthandlungen.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

      Reply
  9. Stefan V.

    Hallo,
    darf man im Rahmen des Unterrichts einzelne Bilder aus einem Bilderbuch scannen und “herausschneiden” und für die Erstellung von Unterrichtsmaterialien verwenden?
    Ist es erlaubt, nur Bildaussschnitte zu verwenden, um zB. einzelne Figuren zu verwenden?

    Liebe Grüße

    Reply
    1. Urheberrecht.de

      Hallo Stefan,
      für den nicht-kommerziellen Zweck und den Unterrichtsgebrauch können Teile von Werken oder kleine Werke vervielfältigt werden. Die Menge ist jedoch begrenzt.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

      Reply

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