Bearbeitung im Urheberrecht: Wann entsteht ein neues Werk?

Immer wieder dienen Kunstwerke der Vergangenheit als Inspiration für neue Schöpfung. Das zeigt sich bei der Malerei ebenso wie in den Musik-Charts, wo Coverversionen fast immer in vielfältiger Weise vertreten sind. Allerdings gilt es bei der Bearbeitung das Urheberrecht zu beachten, da anderenfalls eine Abmahnung drohen kann.

Eine Bearbeitung ist laut Urheberrecht nur mit Erlaubnis des Urhebers erlaubt.
Eine Bearbeitung ist laut Urheberrecht nur mit Erlaubnis des Urhebers erlaubt.

Bearbeitung im Urheberrecht – kurz und kompakt

Als Bearbeitung gilt im Urheberrecht grundsätzlich jede Veränderung an einem Werk. Zulässig ist ein solcher Eingriff in die Rechte des Urhebers grundsätzlich nur mit dessen Einverständnis. Liegt dieses bei einer anschließenden Veröffentlichung oder Verwertung nicht vor, kann es sich um eine Urheberrechtsverletzung handeln.

Wann liegt gemäß Urheberrecht eine Bearbeitung vor?

Was besagt das Urheberrecht zur Bearbeitung?
Was besagt das Urheberrecht zur Bearbeitung?

Durch das Urheberrecht genießen Werke einen besonderen Schutz und dürfen daher nicht ohne das Einverständnis des jeweiligen Schöpfers bzw. Rechteinhabers veröffentlicht oder vervielfältigt werden. Ebenso ist für eine Bearbeitung gemäß Urheberrecht eine entsprechende Erlaubnis vom Schöpfer einzuholen, bevor eine Veröffentlichung erfolgt.

Dies geht aus § 23 Urheberrechtsgesetz (UrhG) hervor:

Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen des Werkes dürfen nur mit Einwilligung des Urhebers des bearbeiteten oder umgestalteten Werkes veröffentlicht oder verwertet werden.

Als Bearbeitung gilt im Urheberrecht eine Schöpfung, welche die wesentlichen individuellen Züge des Originals aufweist. Die vorgenommenen Veränderungen sind dabei von der Persönlichkeit des Bearbeiters geprägt. Daher spielen für die Bearbeitung zwei Urheberrechte eine Rolle: Zum einen die Rechte des Originals und zum anderen das Bearbeiterurheberrecht. Denn gemäß § 3 UrhG, genießen auch diese einen eigenständigen Schutz:

Übersetzungen und andere Bearbeitungen eines Werkes, die persönliche geistige Schöpfungen des Bearbeiters sind, werden unbeschadet des Urheberrechts am bearbeiteten Werk wie selbständige Werke geschützt.

Neben der Bearbeitung existiert im Urheberrecht auch die sogenannte „freie Benutzung“. In diesem Fall wird ein fremdes Werk ausschließlich als Anregung zur Schaffung eines neuen Werkes verwendet. Entscheidend ist dabei, dass die Werke dabei einen erkennbaren, gestalterischen Abstand zueinander aufweisen. Gemäß § 24 UrhG ist die freie Benutzung ohne die Zustimmung des Urhebers der Vorlage zulässig.

Wann verfügen Bearbeitungen über ein eigenes Urheberrecht?

Bearbeiterurheberrecht: Erreicht die Bearbeitung die notwendige Schöpfungshöhe gelten Sie ggf. als eigenständige Werke.
Bearbeiterurheberrecht: Erreicht die Bearbeitung die notwendige Schöpfungshöhe gelten Sie ggf. als eigenständige Werke.

Damit Bearbeitungen – wie die Übersetzung eines Buches oder die Coverversion eines Songs – als eigenständige Werke gelten und über einen entsprechenden Urheberschutz verfügen, sind verschiedene Kriterien zu erfüllen.

So benötigen Sie unter anderem ein entsprechendes Bearbeitungsrecht. Denn gemäß Urheberrecht dürfen Veränderungen an einem Werk nur mit dem Einverständnis des Urhebers erfolgen. Liegt diese nicht vor, ist eine Veröffentlichung oder Verwertung des umgestalteten Werkes unzulässig und kann Sanktionen nach sich ziehen.

Der Urheberrechtsschutz setzt zudem eine persönlich geistige Schöpfung voraus, die über eine entsprechende Schöpfungshöhe verfügt. Dafür muss das Werk individuell sein – sich also von der alltäglichen Gestaltung abheben – und durch die Persönlichkeit des Urhebers geprägt sein.

Aufgrund dieser Kriterien rechtfertigen kleinste Bearbeitung gemäß Urheberrecht in der Regel keinen eigenen Schutz. Eine definitive Einschätzung ist allerdings meist nur infolge eines Gerichtsverfahrens möglich, da es sich beim Urheberrecht um ein ungeprüftes Schutzrecht handelt.

Welche Vorgaben gelten laut Urheberrecht für die Bildbearbeitung?

Möchten Sie ein Logo oder Bilder verändern, schreibt das Urheberrecht das Einverständnis des Schöpfers vor.
Möchten Sie ein Logo oder Bilder verändern, schreibt das Urheberrecht das Einverständnis des Schöpfers vor.

Beim Internet handelt es sich vermutlich um die größte Galerie der Welt, denn dadurch können wir Millionen Schnappschüsse von Hobbyfotografen und Profis betrachten. Dieser kreativen Vielfalt bedienen sich allerdings immer wieder unberechtigte Dritte, welche die Bilder als ihre eigene Schöpfung ausgeben.

Dabei besteht nicht selten der Irrglaube, dass bereits kleinste Veränderungen, wie die Verwendung eines Filters, ausreichen, um selbst zum Urheber zu werden. Vielen ist darüber hinaus nicht bewusst, dass eine Bearbeitung im Urheberrecht grundsätzlich das Einverständnis des Schöpfers voraussetzt.

Kaufen Sie Fotos oder Grafiken über Bildagenturen sollten Sie sich vor der Bearbeitung dieser informieren, in welchen Umfang dies mit der jeweiligen Lizenz zulässig ist. Denn über diese Datenbanken geht nicht das Urheberrecht an Sie über – dies bleibt Grundsätzlich beim Schöpfer – stattdessen wird Ihnen durch den Erwerb von Nutzungsrechten nur die Verwendung gestattet.

Das Unrechtsbewusstsein scheint insbesondere beim Urheberrecht im Internet recht schwach ausgeprägt zu sein, denn durch die Anonymität des World Wide Webs muss der Täter dem Geschädigten beim Diebstahl seines geistigen Eigentums nicht in die Augen sehen. Dennoch kann der Download eines Bildes über eine Suchmaschine und die Verwendung auf der eigenen Internetseite schwerwiegende Folgen haben, denn eine Abmahnung geht mit hohen Kosten einher.

Was droht bei einer widerrechtlichen Bearbeitung gemäß Urheberrecht?

Urheberrecht für Bilder: Verändern Sie Fotos durch Filter oder Effekte, kann eine Urheberrechtsverletzung vorliegen.
Urheberrecht für Bilder: Verändern Sie Fotos durch Filter oder Effekte, kann eine Urheberrechtsverletzung vorliegen.

Die widerrechtliche Bearbeitung stellt im Urheberrecht einen Rechtsverstoß dar, den der geschädigte Schöpfer bzw. Rechteinhaber ahnden kann. Dies erfolgt bei einer Urheberrechtsverletzung in der Regel mithilfe einer Abmahnung. Diese zivilrechtliche Maßnahme dient der Prozessvermeidung und ermöglicht die Geltendmachung diverser Ansprüche.

Dabei kann es sich zum Beispiel um den Anspruch auf Beseitigung, Schadensersatz, Vernichtung oder Unterlassung handeln. Letzterer wird meist durch eine sogenannte Unterlassungserklärung durchgesetzt. Dabei handelt es sich um einen lebenslang gültigen Vertrag, welcher das rechtswidrige Verhalten in Zukunft unterbinden soll. Nicht selten beinhaltet dieser daher auch eine hohe Vertragsstrafe.

Eine rechtswidrige Bearbeitung kann gemäß Urheberrecht allerdings nicht nur zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen. So besteht auch die Möglichkeit eine solche strafrechtlich zu verfolgen. Das Urheberrechtsgesetz sieht für den Tatbestand des unerlaubten Eingriffs in die Schutzrechte für Privatpersonen eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor.

Ihre Rechte wurden durch eine unerlaubte Bearbeitung verletzt? Welche Maßnahmen in diesem Fall sinnvoll sind und wie Sie Ihre Ansprüche am besten durchsetzen, sollten Sie ggf. gemeinsam mit einem Anwalt für Urheberrecht besprechen. Dieser kann Ihnen auch eine Einschätzung zu den Erfolgsaussichten einer Abmahnung geben.

Zusammenfassung – FAQ zur Bearbeitung im Urheberrecht

Ich habe für private Zwecke eine Collage mit Bilder aus dem Internet erstellt. Kann auch diese Form der Bearbeitung eine Abmahnung nach sich ziehen?

Eine solche Bearbeitung fällt im Urheberrecht unter die Verwertung für den privaten Gebrauch. Veröffentlichen Sie die Collage allerdings im Internet oder stellen Sie diese in einer Galerie aus, kann unter Umständen eine Urheberrechtsverletzung vorliegen.

Drohen Sanktionen, wenn ich von Berufswegen regelmäßig fremde Texte minimal bearbeite?

Unwesentliche oder verkehrsübliche Veränderung – zu denen zum Beispiel die Korrektur von Rechtschreibfehlern zählt – stellen in der Regel keinen Verstoß gegen das Urheberrecht dar. Texte umfassend umschreiben, dürfen Sie allerdings nicht. Denn dies stellt eine Verletzung der Urheberpersönlichkeitsrechte dar. Aufgrund des gesetzlichen Schutzes vor Entstellung kann daher eine Abmahnung drohen.

Darf ich Werke bearbeiten, wenn es sich dabei objektiv um eine Verbesserung handelt?

Nein, denn grundsätzlich gilt das Werk des Schöpfers als Optimum.

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6 thoughts on “Bearbeitung im Urheberrecht: Wann entsteht ein neues Werk?

  1. Thomas

    Habe ein Bild abfotografiert von ein Küchenhandtuch 30 Jahre Alt Motiv. Darf ich das nutzen und auf Flohmärkten verkaufen .?und wie bekomme ich das uhrheberrecht .

    Reply
    1. urheberrecht.de Post author

      Hallo Thomas,
      eine pauschale Einschätzung ist uns nicht möglich. Wenden Sie sich ggf. an einen Anwalt.

      Ihr Team von urheberrecht.de

      Reply
  2. Martin

    Perfekt gestaltetes Portal – Respekt!

    EIne Frage hätte ich auch 🙂 Wie stellt man eigentlich seine Urheberschaft sicher? Bei Erfindungen geht man zum Patentamt. Nun könnte die Antwort sein: indem man sein Werk veröffentlicht. Was aber wenn man das zB einem Verlag schicken möchte – kann man sich gegen Missbrauch absichern?

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  3. isa

    Hallo,
    ich möchte mit einer Gruppe Senioren eine Collage erstellen, die aus ausgeschnittenen Fotos aus Büchern, Zeitschriften etc. besteht, in wieweit muss ich mich um die Bildrechte kümmern? Die entstehende Collage wird nicht kommerziell genutzt, geplant ist, sie öffentlich auszustellen. Die verwendeten Bilder sind sowohl, ausgeschnittene Tiere, Pflanzen, Dinge, Menschen etc.
    Die ausgeschnittenen Bilder werden neu und in einem völlig anderem Kontext zusammengesetzt. Vielen Dank für Ihre Hilfe!

    Reply
    1. urheberrecht.de Post author

      Hallo Isa,
      eine pauschale Einschätzung dazu ist uns nicht möglich. Wenden Sie sich dafür ggf. an einen Anwalt.

      Ihr Team von urheberrecht.de

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