Verzichtserklärung im Urheberrecht: Können Sie Ihre Rechte aufgeben?

Nicht immer stehen bei der Schöpfung eines Werkes finanzielle Interesse im Mittelpunkt. Viele Kreative schaffen Bilder oder Musik, die für das Urheberrecht relevant sind, in ihrer Freizeit und erfreuen sich daran, wenn diese verbreitet und bei Gleichgesinnten Beachtung finden. Um anderen die problemlose Bearbeitung dieser Werke zu ermöglichen, könnten die Urheber durch eine Vereinbarung von ihren Rechten zurücktreten und die Werke der Gemeinheit überlassen. Doch ist so eine Verzichtserklärung im Urheberrecht überhaupt möglich?

Eine Verzichtserklärung für das Urheberrecht ist nicht wirksam.

Eine Verzichtserklärung für das Urheberrecht ist nicht wirksam.

Verzichtserklärung beim Urheberrecht – kurz und kompakt

Die Aufgabe der ausschließlichen Rechte an einem Werk durch eine Verzichtserklärung ist im Urheberrecht weitestgehend unzulässig. Möchten Sie anderen die freie Verwertung Ihrer Schöpfungen erlauben, ist dies durch die Nutzungsrechte und der Vergabe entsprechender Lizenzen möglich. Das Urheberrecht bleibt aber weiterhin beim Urheber der Werke.

Aufgaben des Urheberrechts

Beim Urheberrecht handelt es sich um ein ausschließliches Recht, welches das Verhältnis zwischen dem Schöpfer und seinem Werk beschreibt. Das Urheberrechtsgesetz (UrhG) definiert die Verbindung zwischen dem Urheber und seinem Werk in § 11 wie folgt:

Das Urheberrecht schützt den Urheber in seinen geistigen und persönlichen Beziehungen zum Werk und in der Nutzung des Werkes.

Durch das Urheberrecht kann der Schöpfer als einziger darüber entscheiden, in welcher Art und Weise sein Werk verwertet wird. Zudem kann er Dritten durch einen Lizenzvertrag Nutzungsrechte einräumen und ihnen dadurch die Verwendung seiner Werke erlauben.

Aufgrund der besonderen Beziehung zwischen dem Schöpfer und seinem Werk sind diese in der Regel untrennbar miteinander verbunden, sodass eine Verzichtserklärung beim Urheberrecht in der Regel unwirksam ist.

Verzichtserklärung im Urheberrecht: Sonderfall bei der Miturheberschaft

Verzichtserklärung im Urheberrecht: Miturheber können auf ihre Rechte verzichten.

Verzichtserklärung im Urheberrecht: Miturheber können auf ihre Rechte verzichten.

Ein Werk muss nicht grundsätzlich nur von einer Person geschaffen werden. Ist eine Gruppe dafür verantwortlich, liegt eine sogenannte Miturheberschaft vor. Die Ansprüche, die die verschiedenen Urheber an ihrer Schöpfung geltend machen können, sind dabei prozentual aufgeteilt.

Nur in diesem Fall ist es möglich, durch eine Verzichtserklärung das Urheberrecht in Form der Verwertungsrechte an die anderen Miturheber zu übertragen. Dadurch nimmt der Anteil der anderen zu. Ein Verzicht zugunsten der Gemeinheit ist somit auch hier nicht möglich.

Ein Anwalt für Urheberrecht kann Sie dazu beraten, was Sie als Miturheber beachten sollten.

Zusammenfassung – FAQ zur Verzichtserklärung im Urheberrecht

Frage 1: Kann ich auf die Nennung als Urheber verzichten?

Auf das Recht der Anerkennung der Urheberschaft, welches zu den Urheberpersönlichkeitsrechten zählt, kann der Urheber nicht grundsätzlich verzichten. Allerdings kann ein Schöpfer in einem konkreten Fall einer Verzichtserklärung im Urheberrecht zustimmen, sodass sein Name dann nicht genannt wird.

Frage 2: Wie kann ich meine Werke trotzdem zur Verfügung stellen?

Es ist grundsätzlich möglich, Dritten Ihre Werke zur Verfügung zu stellen. Dafür erteilen Sie eine sogenannte freie Lizenz. Damit räumen Sie anderen umfassende Nutzungsrechte ein, sodass jeder die Werke frei verändern darf. Für diese weitreichenden Nutzungsrechte und den Verzicht auf eine entsprechende Vergütung entwickelte die Organisation Creative Commons die CC Zero-Lizenz.

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2 thoughts on “Verzichtserklärung im Urheberrecht: Können Sie Ihre Rechte aufgeben?

  1. Elmar

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    vielen Dank für die Informationen auf Ihrer Website. Ein spannendes Thema.
    Ich beschäftige mich zur Zeit mit der Frage, wer bei einer automatisierten Panoramafotografie , 360 Grad Filmaufnahmen, Luftaufnahmen von Drohnen der Urheber sein kann. Ist es noch der Fotograf / Filmer oder der Bearbeiter, der Stitcher, beide oder keiner?

    Und wie ist der Sachverhalt wenn Objekt oder Personen gescannt und nicht fotografiert oder gefilmt werden?

    Hinsichtlich der Schöpfungshöhe sind bereits heute in diesem Bereich große Unterschiede. Wer kann ein
    Urheberrecht geltend machen?

    Wo könnte ich weitere Informationen finden?

    Mit freundlichem Gruß
    Elmar Scheffer

    Reply
    1. Urheberrecht.de

      Hallo Elmar,

      bei Fotografien ist derjenige, welcher den Auslöser betätigt, in der Regel als Urheber anzusehen. Ein Anwalt für Urheberrecht kann Sie auch bei tiefergehenden Fragen kompetent beraten. Das örtliche Rechtsanwaltsverzeichnis hilft Ihnen dabei, die richtige Person ausfindig zu machen.

      Ihr Team von Urheberrecht.de

      Reply

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