Verjährung im Urheberrecht: Welche Fristen gelten bei Abmahnung und Schadensersatz?

Eine Verletzung des Urheberrechts kann schwerwiegende juristische Konsequenzen nach sich ziehen. Doch müssen Sie den Forderungen aus einer Abmahnung nachkommen, wenn der vermeintliche Rechtsverstoß schon viele Monate, vielleicht sogar Jahre zurückliegt? Oder besteht vielleicht die Möglichkeit, dass bereits eine Verjährung gemäß Urheberrecht eingetreten ist?

Wann tritt eine Verjährung im Urheberrecht ein und worauf sollten Sie dabei achten?

Wann tritt eine Verjährung im Urheberrecht ein und worauf sollten Sie dabei achten?

Verjährung im Urheberrecht – kurz und kompakt

Eine Verjährung beschreibt im Urheberrecht den Zeitpunkt, ab welchem es nicht mehr möglich ist, etwaige Ansprüche auf Schadensersatz oder Unterlassung durchzusetzen. Die Verjährungsfrist tritt abhängig vom Rechtsanspruch bei Urheberrechtsverletzungen nach drei bzw. zehn Jahren ein.

Was ist eine Verjährung und welches Ziel verfolgt sie?

Wann bei einer Abmahnung die Verjährung für Filesharing, Bilderklau oder fehlender Nennung des Urhebers erfolgt, ergibt sich aus dem BGB.

Wann bei einer Abmahnung die Verjährung für Filesharing, Bilderklau oder fehlender Nennung des Urhebers erfolgt, ergibt sich aus dem BGB.

Die Verjährung markiert grundsätzlich das Ende eines gesetzlich definierten Zeitrahmen, welcher angibt, wie lange die Möglichkeit besteht, rechtliche Ansprüche durchzusetzen. Als Anspruch ist in diesem Zusammenhang jedes Recht zu verstehen, aufgrund welches von einem anderem ein bestimmtes Tun oder Unterlassen verlangt werden kann. Nach dem Ablauf der bestimmten Frist ist eine Geltendmachung dieser in der Regel nicht mehr möglich.

Wann die Verjährung im Urheberrecht eintritt, ergibt sich aus § 102 Urheberrechtsgesetz (UrhG). Darin heißt es wie folgt:

Auf die Verjährung der Ansprüche wegen Verletzung des Urheberrechts oder eines anderen nach diesem Gesetz geschützten Rechts finden die Vorschriften des Abschnitts 5 des Buches 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs entsprechende Anwendung.

Das UrhG verweist also für den Zeitraum, in dem bei einer Urheberrechtsverletzung die Verjährung eintritt, auf die allgemeinen Vorschriften im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Wann genau bei den einzelnen Ansprüchen zum Beispiel bei einer Filesharing-Abmahnung die Verjährung eintritt, klären wir nachfolgend im Detail.

Welche Fristen gelten im Urheberrecht bei der Verjährung?

Ausnahme bei der Verjährung einer Urheberrechtsverletzung: Bis zu 10 Jahre kann Schadensersatz geltend gemacht werden.

Ausnahme bei der Verjährung einer Urheberrechtsverletzung: Bis zu 10 Jahre kann Schadensersatz geltend gemacht werden.

Die Fristen für die Verjährung gemäß Urheberrecht bei einer Abmahnung lassen sich grundsätzlich je nach gesetzlichem Anspruch differenzieren. So verfällt ein Anspruch auf Unterlassung, welchen die Geschädigten in der Regel mithilfe einer Unterlassungserklärung geltend machen, nach drei Jahren.

Bei einer Urheberrechtsverletzung besteht zudem ein Anspruch auf Aufwendungsersatz. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Kosten für die angefallenen Ermittlungen und das durchgeführte Auskunftsverfahren bei einer Abmahnung aufgrund von Filesharing. Die Verjährung dieses Anspruchs auf Erstattung tritt ebenfalls nach drei Jahren ein. Dies gilt ebenso auch für die Kosten, die ein gegnerischer Anwalt in Rechnung stellt.

Eine Sonderrolle bei der Verjährung im Urheberrecht nimmt der Schadensersatz ein, denn der Anspruch darauf erlischt erst nach zehn Jahren. Zu dieser Auffassung kam der Bundesgerichtshof (BGH) in seinem Urteil vom 12.05.2016 (BGH I ZR 48/15). Diese gesonderte Verjährungsfrist beschränkt sich allerdings ausschließlich auf den Lizenzschaden.

Beim Lizenzschaden handelt es sich um den finanziellen Ausgleich, welchen die Rechteinhaber fordern, wenn Werke zum Beispiel kostenlos im Netz verbreitet wurden und dadurch mögliche Einbußen bei der Erteilung von Lizenzen entstanden.

Wann beginnt die Frist zur Verjährung im Urheberrecht?

Im Urheberrecht beginnt die Verjährung nach § 199 BGB mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstand und die Daten des Täters vorliegen.

Im Urheberrecht beginnt die Verjährung nach § 199 BGB mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstand und die Daten des Täters vorliegen.

Wie zuvor dargelegt, tritt die Verjährung im Urheberrecht je nach Art des Anspruchs nach drei bzw. zehn Jahren ein. Allerdings stellt sich bei der Festlegung eines entsprechenden Stichtages die Frage, wann die Frist für eine mögliche Verjährung überhaupt beginnt.

So können in der Theorie zum Beispiel für die Verjährung bei einer Abmahnung aufgrund von Filesharing verschiedene Ereignisse bzw. Daten den Beginn der Frist markieren. Denkbar wären unter anderem der Tattag, das Datum der Abmahnung oder auch der Tag, an dem der Geschädigte von der Urheberrechtsverletzung Kenntnis erlangt.

Wann die Frist für die Verjährung gemäß Urheberrecht tatsächlich beginnt, ergibt sich gemäß § 102 UrhG in Verbindung mit § 199 Abs. 1 BGB. Im Bürgerlichen Gesetzbuch heißt es dazu:

Die regelmäßige Verjährungsfrist beginnt, soweit nicht ein anderer Verjährungsbeginn bestimmt ist, mit dem Schluss des Jahres, in dem

  1. der Anspruch entstanden ist und
  2. der Gläubiger von den den Anspruch begründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen müsste.

Die Verjährungsfrist beginnt demnach erst mit dem Schluss des Jahres, in dem der Urheber bzw. Rechteinhaber von der Urheberrechtsverletzung sowie den Angaben zum Rechtsverletzer Kenntnis erlangen. Beim Filesharing handelt es sich dabei zum Beispiel um den Namen und die Anschrift des Anschlussinhabers, über welchen der illegale Datenaustausch erfolgte.

Wie die Verjährung laut Urheberrecht bei einem Download aus einer Tauschbörse erfolgt, soll das nachfolgende Beispiel veranschaulichen:

Kevin hat am 22.11.2017 illegal einen Film aus einer Tauschbörse bezogen. Die Filmproduktionsfirma, welche Inhaber der Verwertungsrechte ist, hat von der Urheberrechtsverletzung am 26.11.2017 erfahren und ein zivilrechtliches Auskunftsverfahren in die Wege geleitet. Am 15.01.2018 hat das Unternehmen bzw. die vertretende Anwaltskanzlei Kenntnis über den Namen des Anschlussinhabers erlangt. Die Kanzlei hat daher bis zum 31.12.2021 Zeit, um Kevin eine Abmahnung zu schicken und den Anspruch auf Unterlassung sowie Aufwendungsersatz durchzusetzen.

Zusammenfassung – FAQ zur Verjährung im Urheberrecht

Frage 1: Können Maßnahmen die Verjährung im Urheberrecht hemmen bzw. unterbrechen?

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, dass bei einer Urheberrechtsverletzung eine Verjährungshemmung eintritt. In diesem Fall ist die Frist, nach welcher mögliche Ansprüche verfallen, unterbrochen. Im Urheberrecht ist dies zum Beispiel durch einen gerichtlichen Mahnbescheid oder eine Klage zur Feststellung möglicher Ansprüche – wie eine Unterlassungsklage – möglich.

Frage 2: Laut meiner Berechnung ist die Abmahnung verjährt. Kann ich diese nun einfach ignorieren?

Grundsätzlich ist es nicht ratsam, eine Abmahnung zu ignorieren. Daher ist es sinnvoll, trotz Verjährung gemäß Urheberrecht gegen das Schreiben Widerspruch einzulegen. Bedenken Sie dabei, dass für den Anspruch auf Schadensersatz eine längere Verjährungsfrist gilt. Zudem kann es sinnvoll sein, um mögliche Fehler bei der Fristberechnung – zum Beispiel aufgrund einer Verjährungshemmung – zu vermeiden, sich Rat bei einem Anwalt für Urheberrecht zu suchen.

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