Parodie im Urheberrecht: Was ist erlaubt?

Von urheberrecht.de, letzte Aktualisierung am: 10. Juni 2022

Nicht immer fällt es leicht, den Alltag in aller Ernsthaftigkeit zu ertragen. Aus diesem Grund hat sich das Verspotten von Werken, alltäglichen Themen und Missständen sowie von Politikern und Prominenten zu einer Kunstform entwickelt. Doch wie sind Satire und Parodie laut dem Urheberrecht zu bewerten?

Welche Regeln gelten für Satire und Parodie gemäß Urheberrecht?
Welche Regeln gelten für Satire und Parodie gemäß Urheberrecht?

FAQ zu Parodie und Satire im Urheberrecht

Ist eine Parodie durch das Urheberrecht geschützt?

Verfügt die Parodie über eine ausreichende Schöpfungshöhe, kann es sich dabei um ein selbstständiges Werk handeln.

Sieht das Urheberrecht für Parodien und Satire besondere Regelungen vor?

Für Parodie und Satire gilt § 51a Urheberrechtsgesetz (UrhG). In diesem Fall ist eine Veröffentlichung ohne die Zustimmung des Urhebers des verwendeten Werkes möglich.

Wann ist eine Parodie gemäß UrhG erlaubt?

Eine Vervielfältigung und Verbreitung von fremden Werke zum Zweck der Parodie ist bei bereits veröffentlichten Werken in der Regel gestattet.

Begriffskunde zu Parodie und Satire

Wann verstößt Satire nicht gegen das Urheberrecht?
Wann verstößt Satire nicht gegen das Urheberrecht?

Bevor wir uns damit beschäftigen können, welche Regelungen das Urheberrecht für Satire und Parodie vorsieht, müssen wir erst einmal klären, was sich konkret hinter den Begriffen verbirgt.

Unter einer Parodie ist die übertriebene oder verspottende Nachahmung von bekannten Werken wie Filmen oder Büchern zu verstehen. So parodiert zum Beispiel die Westernkomödie „Der Schuh des Manitu“ die Karl-May-Verfilmungen der 1960er Jahre. Aber auch Prominente lassen sich aufgrund ihrer Charaktereigenschaften dadurch auf amüsante Weise überspitzt darstellen.

Durch Satire werden hingegen alltäglich Themen auf lustige oder spöttische Art behandelt. Zentrales Element ist dabei die komische Darstellung von Kritik und Missständen, wie dies zum Beispiel bei Karikaturen der Fall ist.

Auch wenn es bei Parodie und Satire inhaltlich bzw. strukturell eindeutige Unterschiede gibt, machen sich diese beiden Kunstformen nicht selten fremde Werke zunutze. Weshalb sich die Frage stellt, ob Satire und Parodie mit dem Urheberrecht vereinbar sind.

Was besagt das UrhG zu Parodie und Satire?

Wer für eine eigene Schöpfung ein fremdes Werk nutzen möchte, benötigt dafür üblicherweise das Einverständnis des jeweiligen Urhebers. Allerdings können Satire und Parodie im Urheberrecht von einer Ausnahme profitieren, denn unter § 51a UrhG heißt es dazu:

Zulässig ist die Vervielfältigung, die Verbreitung und die öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck der Karikatur, der Parodie und des Pastiches. 

Somit ist die Parodie laut Urheberrecht als eine Form der Auseinandersetzung mit fremden urheberrechtlich geschützten Werken und Ausdruck der Meinungs- sowie Kunstfreiheit gestattet. Diese muss dabei selbst nicht die Erfordernisse eines Werkes erfüllen. Die Parodie verfügt von sich aus eine Distanzierungsfunktion, sodass in diesem Zusammenhang auch Abstand zwischen Original und neuem Werk eine wichtige Rolle spielt.

Lange Zeit fiel die Parodie laut Urheberrecht unter die Schrankenregelung der freien Benutzung. Durch eine Gesetzesänderung ist der § 24 UrhG zum 7. Juni 2021 weggefallen und der neue § 51a UrhG trat in Kraft. Diese Änderung soll für mehr Rechtssicherheit sorgen und auch neuen Kunstformen wie Memes Rechnung tragen.

Parodie im Urheberrecht – kurz und kompakt

Die Auseinandersetzung mit bestehenden urheberrechtlich geschützten Werken in Form von Parodie und Satire ist durch das Urheberrecht geschützt. Das Einverständnis des Urhebers für die Verwertung ist daher in der Regel nicht notwendig.

Quellen und weiterführende Links

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (41 Bewertungen, Durchschnitt: 4,50 von 5)
Parodie im Urheberrecht: Was ist erlaubt?
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.